Was StarkWare tatsächlich gesendet hat
Am 26. August wanderte eine kleine Bitcoin-Zahlung in Block 964.199, die als erste quantensichere Transaktion auf dem Hauptnetz gilt. Bewegt wurden 10.000 Satoshi, also ein Bruchteil eines Bitcoin. Hinter dem Versuch steht das Forschungsteam von StarkWare um Avihu Levy, das eine Methode namens Quantum Safe Bitcoin verwendet hat. Sie stützt sich auf ein sogenanntes Signature Grinding und die Hash-Funktion RIPEMD-160 und soll rund 118 Bit Widerstand gegen Angriffe mit dem Shor-Algorithmus bieten.
So weit die Schlagzeile. Der Blick auf die Details zeigt, dass diese quantensichere Zahlung weniger ein Produktstart als ein Machbarkeitsnachweis ist.
Warum gewöhnliche Nodes die Transaktion ablehnten
Die Transaktion nutzt Adressen im alten Format aus der Zeit vor SegWit. Sie ist mit Taproot, mit BIP-360 und mit dem Lightning Network nicht kompatibel. Vor allem aber hat ihr Format ein praktisches Problem: Normale Bitcoin-Nodes hätten sie nicht weitergeleitet. Sie galt als nicht standardkonform und wäre im üblichen Netzverkehr liegengeblieben.
Deshalb ging das Team einen Umweg. Die Zahlung wurde direkt über den Slipstream-Dienst des Mining-Pools MARA eingereicht, der auch unübliche Transaktionen in einen Block aufnimmt. Ohne diesen Sonderweg wäre die erste quantensichere Zahlung gar nicht bestätigt worden. Für den Alltag heißt das: Kein gängiges Wallet und keine Börse unterstützt dieses Verfahren derzeit.
Das ist nicht der geplante Umbau BIP-360
Wichtig ist die Abgrenzung, die in vielen Berichten untergeht. Der StarkWare-Versuch ist nicht der offizielle Weg, auf dem Bitcoin quantensicher werden soll. Dieser Weg heißt BIP-360, auch Pay-to-Merkle-Root genannt. Der Vorschlag wurde am 11. Februar 2026 veröffentlicht und in das offizielle BIP-Verzeichnis aufgenommen, aktiviert ist er auf dem Hauptnetz aber nicht.
Eine Aktivierung bräuchte einen Konsens der Bitcoin-Community und eine Soft-Fork, ein Prozess, der nach Einschätzung von Entwicklern noch mehrere Jahre entfernt liegt. Eine lauffähige Umsetzung existiert bisher nur im Testnetz, etwa in der Version 0.3.0 der Bitcoin-Quantum-Software von BTQ Technologies aus dem März 2026. Der Machbarkeitsnachweis von StarkWare und der eigentliche Protokoll-Umbau sind also zwei verschiedene Dinge, die zufällig zur selben Zeit Schlagzeilen machen.
Was das für Bitcoin-Halter im DACH-Raum heute bedeutet
Für Anlegerinnen und Anleger, die Bitcoin über eine Börse oder ein Hardware-Wallet halten, ändert sich vorerst nichts. Die Bedrohung durch Quantencomputer ist real, aber nicht akut. Ein Rechner, der die heutige Verschlüsselung tatsächlich brechen könnte, existiert nicht, und der Fahrplan hin zu einem quantensicheren Bitcoin steht noch am Anfang.
Sinnvoll bleibt, was schon immer galt: Adressen nicht mehrfach verwenden, denn eine nie ausgegebene Adresse legt den öffentlichen Schlüssel gar nicht erst offen. Wer die Entwicklung verfolgen will, sollte auf den Fortschritt von BIP-360 achten, nicht auf einzelne Testzahlungen. Der 26. August zeigt, dass die Technik grundsätzlich funktioniert. Bis sie im normalen Netz ankommt, wird noch einige Zeit vergehen.