Ethereum hat einen kräftigen August hinter sich und notierte zuletzt bei rund 2.450 Dollar, nach einem Zwischenhoch von 2.545 Dollar am 21. August. Interessanter als der Kurs ist jedoch, was unter der Oberfläche passiert: Der frei handelbare Bestand an ETH schrumpft von mehreren Seiten gleichzeitig. Diese Verknappung ist zum Kern der aktuellen Ethereum-Erzählung geworden, doch sie trägt auch ein Risiko in sich, das gern übersehen wird.
Ein Angebot, das von drei Seiten schrumpft
Laut einer Analyse von Investing.com zur Angebotsverknappung liegen inzwischen rund 42 Millionen ETH im Staking, das entspricht etwa 34 Prozent des gesamten Angebots. Diese Coins sind gebunden und stehen dem Handel nicht ohne Weiteres zur Verfügung. Zugleich sinken die Bestände auf den Börsen: Von Anfang Juni bis Mitte August fielen sie um rund 15 Prozent, von etwa 7,7 auf 6,54 Millionen ETH. Das sind gut 1,16 Millionen Coins, die von den Handelsplätzen abgezogen wurden.
Die dritte Kraft sind Unternehmensbestände. Die Treasury-Firma BitMine hält der Analyse zufolge rund 5,85 Millionen ETH, etwa 4,7 Prozent des gesamten Angebots, und hat davon rund 87 Prozent im Staking. Pro Woche kommen im Schnitt gut 32.000 weitere Coins hinzu. Wenn gebundene, abgezogene und gehortete Bestände zusammenwirken, bleibt für den Markt weniger frei verfügbares ETH übrig.
Die ETF-Nachfrage zieht an
Auf die schrumpfende Seite trifft eine wachsende Nachfrage. Die Ethereum-ETFs sammelten im August laut den Daten netto rund 1,06 Milliarden Dollar ein. Allein in der Woche des 21. August flossen 697,2 Millionen Dollar zu, der stärkste Wochenwert des Jahres 2026. Bereits im Juli hatten die ETH-Fonds erstmals mehr frisches Kapital angezogen als die Bitcoin-Produkte, ein Wendepunkt in der bisherigen Rangordnung zwischen den beiden größten Kryptowerten.
Wie eng das Zusammenspiel wirkt, zeigte auch das jüngste Auf und Ab bei den Krypto-ETFs: Kapital fließt bei Ethereum derzeit schneller herein, als neues Angebot entsteht. Genau diese Schere zwischen sinkendem Umlauf und steigender Nachfrage ist es, die viele Beobachter derzeit optimistisch stimmt.
Wo die These wackelt
So schlüssig die Rechnung klingt, sie hat eine Schwachstelle: Sie hängt stark an wenigen Akteuren. Wenn ein einzelnes Unternehmen wie BitMine fast fünf Prozent des Angebots kontrolliert, dann ist die Verknappung auch eine Konzentration. Ein Kurswechsel dieses Halters oder ein Verkauf größerer Bestände würde die Erzählung schnell umkehren, zumal solche Verkäufe an einem dünnen Markt besonders stark durchschlagen.
Auch die ETF-Zuflüsse sind keine Einbahnstraße. Sie können ebenso rasch abfließen, wie sie gekommen sind, und verstärken Bewegungen dann in beide Richtungen. Die Verknappung ist real und durch die Daten belegt, wie auch die Analyse von The Cryptonomist bestätigt. Wer daraus jedoch einen Automatismus für steigende Kurse ableitet, unterschätzt, wie schnell sich eine dünne Angebotsdecke in die andere Richtung wenden kann.