EU warnt: Quantencomputer bedrohen 6,9 Millionen Bitcoin bis 2030

EU-Finanzaufsichten warnen vor Quantencomputer-Bedrohung für Bitcoin. 6,9 Millionen BTC im Wert von 586 Milliarden Dollar gefährdet. Frist: 2030.

Tobias Reinhardt Technologie

EU-Finanzaufsicht warnt vor Quantencomputer-Risiko für Bitcoin

Die europäischen Finanzaufsichtsbehörden haben am 24. September 2026 vor der Bedrohung durch Quantencomputer für Blockchain-Systeme gewarnt. In ihrem gemeinsamen Bericht zu Risiken und Schwachstellen warnen die European Banking Authority (EBA), die European Securities and Markets Authority (ESMA) und die European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) vor Quantencomputern, die bestehende Verschlüsselungssysteme gefährden könnten. Die Behörden betonen, dass die Bedrohung früher eintreten könnte als kommerzielle Anwendungen von Quantencomputern.

Laut dem Bericht könnten fortgeschrittene Quantencomputer "Kryptographie-Systeme untergraben, die weithin zur Sicherung von Kommunikation, Transaktionen, Datenbanken und Blockchains eingesetzt werden". Besonders vulnerable sind ältere Bitcoin-Adressen und wiederverwendete Adressen, bei denen öffentliche Schlüssel bereits exponiert wurden.

6,9 Millionen Bitcoin im Wert von 586 Milliarden Dollar gefährdet

Die Warnung der EU-Behörden nennt konkrete Zahlen. Laut Daten von Cryptoquant sind etwa 6,9 Millionen Bitcoin in Legacy-Adressen und wiederverwendeten Adressen gespeichert. Bei einem aktuellen Kurs von rund 85.000 Dollar entspricht das einem Gegenwert von etwa 586 Milliarden Dollar. Diese Bitcoin liegen in älteren Pay-to-Public-Key-Outputs, deren Verschlüsselung durch ausreichend leistungsfähige Quantencomputer gebrochen werden könnte.

Die EU-Aufsichtsbehörden beziehen sich auf einen aktuellen Bericht von IBM, der besagt, dass Quantencomputer "in vier Jahren oder weniger" einsatzbereit sein werden. Das bedeutet, dass die Bedrohung bis 2030 real werden könnte. Besitzer älterer Bitcoin-Adressen müssten ihre Coins vor diesem Zeitpunkt auf neuere, quantensichere Adressen verschieben.

Europäische Kommission setzt Frist bis 2030

Die Europäische Kommission hat in ihrer Post-Quanten-Roadmap konkrete Zeitvorgaben gesetzt. Mitgliedstaaten sollen bis Ende 2026 mit der Umstellung auf quantensichere Kryptographie beginnen. Systeme mit hohem Risiko müssen bis 2030 geschützt sein. Die Finanzaufsichtsbehörden stufen Blockchain-Systeme als solche Hochrisiko-Infrastruktur ein.

Die Warnung richtet sich nicht nur an Bitcoin. Alle Blockchain-Systeme, die auf elliptischer Kurvenkryptographie basieren, sind betroffen. Das schließt Ethereum, viele Smart-Contract-Plattformen und Zahlungsnetzwerke ein. Die EU-Behörden fordern die Finanzindustrie auf, die Migration zu quantensicheren Algorithmen zu beschleunigen.

Die Lücke zwischen Bedrohung und kommerzieller Nutzung

Der Bericht betont einen kritischen Punkt: Die Bedrohung durch Quantencomputer könnte "früher eintreten als jede tragfähige kommerzielle Anwendung". Das bedeutet, dass Quantencomputer Verschlüsselung brechen könnten, bevor sie für nützliche Berechnungen in Medizin, Materialwissenschaft oder Logistik eingesetzt werden. Diese Asymmetrie macht die Technologie zu einem reinen Sicherheitsrisiko für bestehende Systeme.

Aktuelle Quantencomputer verfügen noch nicht über die nötige Anzahl fehlerkorrigierter Qubits, um Bitcoin-Verschlüsselung zu knacken. Experten schätzen, dass dafür mehrere tausend logische Qubits nötig wären. IBM, Google und andere Unternehmen arbeiten jedoch intensiv an der Skalierung. Die vier Jahre, die IBM nennt, beziehen sich auf industriell nutzbare Systeme, nicht auf die absolute physikalische Grenze.

Legacy-Adressen als Schwachstelle

Die 6,9 Millionen gefährdeten Bitcoin liegen vor allem in zwei Adresstypen. Pay-to-Public-Key-Outputs (P2PK) stammen aus der Frühzeit von Bitcoin und enthalten den öffentlichen Schlüssel direkt in der Blockchain. Wiederverwendete Adressen haben ihren öffentlichen Schlüssel durch frühere Transaktionen offengelegt. In beiden Fällen könnte ein Quantencomputer aus dem öffentlichen Schlüssel den privaten Schlüssel ableiten.

Moderne Bitcoin-Adressen wie Pay-to-Witness-Public-Key-Hash (P2WPKH) oder Pay-to-Taproot (P2TR) sind besser geschützt, weil sie nur einen Hash des öffentlichen Schlüssels veröffentlichen. Solange keine Transaktion von dieser Adresse gesendet wurde, bleibt der öffentliche Schlüssel verborgen. Ein Quantenangriff wäre schwieriger, da ein Hash nicht direkt zu einem privaten Schlüssel umgekehrt werden kann.

Was Bitcoin-Besitzer tun sollten

Die EU-Behörden empfehlen Besitzern älterer Bitcoin-Adressen, ihre Coins auf neuere Adressformate zu verschieben. Das sollte geschehen, bevor Quantencomputer die kritische Schwelle erreichen. Eine Verschiebung nach einem erfolgreichen Quantenangriff wäre zu spät, da ein Angreifer die Coins während der Transaktion abfangen könnte.

Die Bitcoin-Entwicklergemeinschaft diskutiert seit Jahren über quantensichere Signaturen. Algorithmen wie Lattice-basierte Kryptographie oder Hash-basierte Signaturen könnten Bitcoin gegen Quantenangriffe absichern. Eine Umstellung erfordert jedoch eine Hard Fork und breite Zustimmung der Community. Bislang gibt es keinen konkreten Zeitplan für die Integration.

Die Warnung der EU-Finanzaufsicht ist der bislang deutlichste offizielle Hinweis auf die Dringlichkeit des Problems. Andere Regulierungsbehörden wie die amerikanische SEC oder die BaFin haben sich zu Quantenrisiken noch nicht öffentlich geäußert. Die europäische Roadmap mit der 2030-Frist setzt nun einen klaren Maßstab für die Krypto-Regulierung unter MiCA.

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