Handel rund um die Uhr: die US-Börse nähert sich dem Krypto-Modell

Die SEC berät am 17. September über einen Aktienhandel rund um die Uhr. Damit übernimmt die Wall Street ein Modell, das Krypto seit jeher lebt. Der DACH-Blick.

Lena Brandhorst Technologie

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC lädt für den 17. September zu einem Rundtischgespräch, das auf den ersten Blick technisch klingt und doch eine große Frage berührt: Soll der klassische Aktienhandel künftig ohne Pause laufen? Damit nähert sich die traditionelle Finanzwelt einem Modell an, das der Kryptomarkt seit seinem ersten Tag lebt. Bitcoin und Ether kennen keinen Feierabend und kein Wochenende.

Auf der Agenda stehen keine Kursprognosen, sondern die Mechanik von Handel rund um die Uhr. Wer überwacht die Kurse nachts? Wie werden Geschäfte abgewickelt und abgesichert, wenn nie geschlossen wird? Diese Fragen bespricht die SEC in drei Runden mit den großen Namen der Wall Street.

Drei Runden mit der Wall Street

In der ersten Runde geht es um die betriebliche Bereitschaft, also um Überwachung, Preisbildung, Abwicklung und Anlegerschutz. Beteiligt sind unter anderem Robinhood, die NYSE, BlackRock, Cboe und die Aufsichtsorganisation FINRA. Die zweite Runde widmet sich der Infrastruktur, von der Cybersicherheit über die Systemkapazität bis zu Ausfallverfahren, mit Häusern wie Nasdaq, DTCC, Jane Street, State Street und Schwab. Die dritte Runde fragt nach den Folgen für Liquidität und Marktbeteiligung und danach, ob am Ende ein durchgehender Handel an sieben Tagen die Woche steht.

Was Krypto vorgemacht hat

Bemerkenswert ist, was die SEC nicht sagt. In ihrer Ankündigung fällt das Wort Krypto nicht. Und doch ist der Vergleich unübersehbar. Digitale Vermögenswerte handeln längst ohne Pause, und tokenisierte Aktien tun es ebenfalls. Auf dezentralen Handelsplätzen lassen sich Titel wie Tesla oder Nvidia bereits als Token bewegen, wie der Fall zeigt, in dem Uniswap genau solche Aktien-Token eingeführt hat. Die traditionelle Börse zieht nun nach, vorsichtig und unter Aufsicht, aber in dieselbe Richtung.

Der Blick aus dem DACH-Raum

Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das mehr als eine amerikanische Randnotiz. Xetra und die europäischen Börsen haben feste Handelszeiten, während Krypto und tokenisierte Werte pausenlos laufen. Wer beides im Depot hat, erlebt den Unterschied bereits: Am Wochenende bewegt sich der Bitcoin, die Aktie nicht. Welche Wege der DACH-Raum für den Zugang zu digitalen Werten bietet, zeigt der Überblick zu den Produkten auf Xetra.

Ein Handel rund um die Uhr hat zwei Seiten. Er gibt Anlegern die Freiheit, jederzeit zu reagieren, etwa auf Nachrichten, die außerhalb der Öffnungszeiten eintreffen. Er birgt aber auch das Risiko dünner Liquidität in den Nachtstunden, in denen wenige Teilnehmer große Ausschläge auslösen können. Genau diese Eigenheit kennt der Kryptomarkt seit Langem. Dass die Wall Street dieselbe Frage nun ernsthaft stellt, ist deshalb weniger ein Bruch als ein Aufholen. Warum der europäische Markt eigene Wege geht, hängt mit denselben Strukturen zusammen, die auch erklären, warum es in Deutschland keinen Krypto-ETF wie in den USA gibt.

Am 17. September wird noch nichts entschieden, es ist ein Gespräch, kein Beschluss. Doch die Richtung ist deutlich: Der Markt, der früher pünktlich schloss, denkt zunehmend in den Kategorien, die Krypto längst gesetzt hat.

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