Aave-Gründer warnt vor neuer DeFi Regulierung durch ESMA

Stani Kulechov kritisiert ESMA-Vorschlag zur DeFi-Regulierung. EU plant Lizenzen für DeFi-Gateways. Was ändert sich für deutsche Aave- und Uniswap-Nutzer?

Tobias Reinhardt Nachrichten

Aave-Gründer kritisiert neue DeFi Regulierung der ESMA

Stani Kulechov, Gründer des DeFi-Protokolls Aave, hat am 2. Oktober 2026 die jüngsten Vorschläge der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zur DeFi Regulierung scharf kritisiert. Die ESMA empfiehlt in ihrer Stellungnahme zur laufenden MiCA-Konsultation, klarere Standards zur Identifizierung wirklich dezentraler Aktivitäten zu schaffen. Gleichzeitig schlägt die Behörde eine neue regulierte Dienstleistungskategorie für Unternehmen vor, die Nutzern den Zugang zu DeFi-Protokollen ermöglichen.

Kulechov äußerte drei zentrale Bedenken: Erstens befürchtet er, dass Regulierungsbehörden vorschreiben könnten, auf welche Protokolle europäische Nutzer zugreifen dürfen. Dies würde laut Kulechov "mehr ummauerte Gärten" schaffen und offene Finanzsysteme einschränken. Zweitens stellte er die praktische Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Anforderungen infrage und erklärte: "Es ist unklar, wie diese Anforderungen in der Praxis funktionieren würden."

Was bedeutet die DeFi Regulierung für deutsche Nutzer

Für deutsche Anleger könnte die neue DeFi Regulierung bedeuten, dass sie künftig nur noch über lizenzierte Intermediäre auf bestimmte DeFi-Protokolle zugreifen können. Die BaFin würde in diesem Fall die Lizenzierung und Überwachung dieser sogenannten "DeFi-Gateways" übernehmen. Ein direkter Zugang zu nicht genehmigten Protokollen könnte für in Deutschland ansässige Plattformen verboten werden.

Die ESMA unterscheidet in ihrem Vorschlag zwischen wirklich dezentralen Protokollen und solchen, die nur vordergründig dezentral erscheinen. Protokolle mit zentralen Kontrollmechanismen würden unter die volle MiCA-Regulierung fallen. Die MiCA-Konsultation zu Staking und DeFi endete Ende September 2026. Die ESMA-Stellungnahme ist Teil dieser Überprüfung.

Streit um DeFi-Erträge und Stablecoin-Zinsen

Kulechovs dritter Kritikpunkt betrifft die Interpretation von Erträgen im DeFi-Bereich. Er unterscheidet zwischen Zinsen, die Kreditnehmer an Kreditgeber zahlen, und direkten Stablecoin-Zinsen, die ein Emittent ausschüttet. Die EZB möchte das MiCA-Verbot auf indirekte Stablecoin-Erträge ausweiten, also auch auf DeFi-Lending-Protokolle. Kulechov argumentiert, dass dieser breite Ansatz die Funktionsweise von DeFi-Lending falsch charakterisiert.

Nach aktueller MiCA-Regelung dürfen Stablecoin-Emittenten keine Zinsen auf die Token selbst zahlen. Die EZB möchte verhindern, dass Nutzer über DeFi-Protokolle indirekt doch Erträge auf Stablecoins erzielen. Aave und andere DeFi-Protokolle sehen darin eine Einschränkung legitimer Kreditvergabe. Über 50.000 Europäer haben gegen die geplante Ausweitung Einspruch erhoben.

BaFin und die Umsetzung in Deutschland

Die BaFin wird die ESMA-Vorgaben in deutsches Recht umsetzen müssen, sobald die Europäische Kommission eine Entscheidung trifft. Eine zeitliche Vorgabe für die Umsetzung gibt es noch nicht. Die Kommission prüft derzeit die eingegangenen Stellungnahmen. Eine Entscheidung wird für das erste Quartal 2027 erwartet. Bis dahin gilt der bestehende Rechtsrahmen.

Deutsche DeFi-Nutzer können aktuell Protokolle wie Aave, Uniswap oder Curve ohne Einschränkungen nutzen. Die Gewinne aus DeFi-Transaktionen unterliegen der Steuerpflicht gemäß Paragraf 23 EStG, wenn sie innerhalb eines Jahres realisiert werden. DeFi-Sicherheit bleibt ein eigenständiges Risiko, das Nutzer unabhängig von der Regulierung beachten müssen.

Zeitplan und nächste Schritte

Die Europäische Kommission entscheidet auf Basis der ESMA-Empfehlungen und der eingegangenen Stellungnahmen, ob legislative Änderungen an MiCA erforderlich sind. Der genaue Zeitplan ist offen. Sollte die Kommission den ESMA-Vorschlag übernehmen, würde eine Übergangsfrist für die Lizenzierung der DeFi Regulierung-Intermediäre folgen. Deutsche Plattformen müssten dann bei der BaFin eine Lizenz beantragen, bevor sie weiterhin DeFi-Zugang anbieten dürfen.

Aave und weitere DeFi-Protokolle haben angekündigt, ihre Bedenken gegenüber der Kommission weiter zu äußern. Kulechovs Warnung vor "ummauerten Gärten" zielt auf eine Fragmentierung des europäischen DeFi-Marktes ab. Ob die Kommission diesem Argument folgt oder die ESMA-Linie zur DeFi Regulierung übernimmt, bleibt abzuwarten. Die BaFin hat sich bislang nicht öffentlich zu den ESMA-Vorschlägen geäußert, wird aber als nationale Aufsichtsbehörde in die Umsetzung eingebunden sein.

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