Bitcoin notierte am 23. September 2026 bei 86.000 Dollar, nahe einem Achtmonatshoch. Gleichzeitig zeigen On-Chain-Daten ein paradoxes Bild: Weniger als 25 Prozent des medianen Altcoin-Angebots liegt im Gewinn. Über drei Viertel aller Altcoin-Halter sind weiterhin unter Wasser, obwohl der Altcoin Season Index von 32 auf 49 gestiegen ist.
Der Altcoin Season Index misst, wie viele der Top-50-Altcoins Bitcoin in den letzten 90 Tagen übertroffen haben. Ein Wert über 75 gilt als Altcoin Season, unter 25 als Bitcoin Season. Mit 49 Punkten liegt der Index in der Mitte, zeigt aber eine deutliche Aufwärtsbewegung binnen einer Woche.
Was die 25-Prozent-Marke bedeutet
Die Metrik vergleicht den aktuellen Marktpreis mit dem Cost Basis, also dem Preis, zu dem Token zuletzt On-Chain bewegt wurden. Holdings unterhalb dieses Preises gelten als profitabel, darüber als Verlust. Ein Wert unter 25 Prozent bedeutet: Die überwiegende Mehrheit der Halter sitzt auf Verlusten.
Glassnode liefert die Daten. Die Analyse basiert auf der medianen Altcoin, nicht auf Bitcoin. Während Bitcoin bei 86.000 Dollar steht, liegt die Mehrheit der Altcoins deutlich unter ihrem historischen Durchschnittspreis. Das gilt trotz jüngster Kursgewinne.
Welche Altcoins gestiegen sind
Einige Token haben in den letzten 90 Tagen stark zugelegt. PONS stieg um 636 Prozent, USELESS um 351 Prozent, ZEC um 265 Prozent. Auch PUMP (+225 Prozent), UNI (+199 Prozent), SOL (+69 Prozent) und ETH (+65 Prozent) legten zu. Ethereum notierte am 23. September 2026 bei 2.740 Dollar, ein Plus von 10 Prozent innerhalb von sieben Tagen.
Diese Gewinne konzentrieren sich jedoch auf wenige Token. Die breite Masse der Altcoins bleibt im Minus. Der mediane Coin hat weniger als ein Viertel seines Angebots im Gewinn. Das zeigt: Einzelne Ausreißer täuschen über die allgemeine Lage hinweg.
Warum trotzdem von Altcoin Season gesprochen wird
Der Begriff Altcoin Season entsteht, wenn viele Altcoins Bitcoin outperformen. Das ist in den letzten Wochen geschehen. Doch Outperformance bedeutet nicht automatisch Gewinn. Ein Altcoin kann um 50 Prozent steigen und dennoch 70 Prozent unter seinem Allzeithoch liegen.
Viele Altcoins erreichten ihre Höchststände im November 2021 oder im Frühjahr 2024. Seitdem sind sie 60 bis 90 Prozent gefallen. Die jüngste Erholung reicht nicht aus, um die meisten Halter wieder ins Plus zu bringen. Die 25-Prozent-Schwelle macht das deutlich.
Der Unterschied zu einem echten Bullenmarkt
In einem echten Bullenmarkt liegt der Großteil des Angebots im Gewinn. Werte über 75 Prozent sind üblich, oft sogar über 90 Prozent. Dann haben selbst Käufer aus früheren Phasen Profit. Aktuell ist das Gegenteil der Fall: Die meisten Käufer sitzen auf Verlusten.
Das deutet darauf hin, dass der Markt noch nicht die typischen Bullenmarkt-Spitzen erreicht hat. Es fehlt die breite Beteiligung. Stattdessen kaufen einige Wale gezielt bestimmte Token, während Retail-Anleger vorsichtig bleiben.
Was On-Chain-Daten über Halter verraten
Die Supply-in-Profit-Metrik zeigt, wer aktuell im Gewinn ist und wer nicht. Sie basiert auf dem Preis, zu dem Token zuletzt bewegt wurden. Wenn ein Wallet Token bei 50 Dollar kaufte und der Kurs jetzt bei 40 Dollar steht, ist dieses Angebot unter Wasser.
Über 75 Prozent des gemessenen Angebots liegt aktuell unter seinem Cost Basis. Das bedeutet: Diese Token wurden zu höheren Preisen gekauft, als sie jetzt wert sind. Viele Halter warten darauf, dass die Kurse wieder auf ihre Einstiegspreise steigen.
Ausblick für DACH-Anleger
Deutsche, österreichische und Schweizer Anleger sollten die Lage realistisch einschätzen. Die Schlagzeilen sprechen von Altcoin Season, doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Wer jetzt einsteigt, kauft in einen Markt, in dem die Mehrheit Verluste macht.
Das kann eine Chance sein: Niedrige Bewertungen bieten Raum für Gewinne. Es kann aber auch bedeuten, dass der Markt noch weiter fällt. Die 25-Prozent-Marke zeigt, dass Vertrauen fehlt. Viele Halter würden bei einem kleinen Anstieg verkaufen, um ihre Verluste zu begrenzen.
Steuerlich gilt in Deutschland die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 EStG. Wer im November 2025 gekauft hat und jetzt im Minus sitzt, muss noch bis November 2026 warten, um steuerfrei zu verkaufen. Das kann das Verkaufsverhalten beeinflussen. Viele warten auf die Frist, selbst wenn sie im Verlust sind.
Bitcoin zeigt Stärke, Altcoins hinterher
Bitcoin steht bei 86.000 Dollar und hat im August 25 Prozent zugelegt. Altcoins konnten nicht mithalten. Zwar stiegen einige deutlich, doch der Großteil bleibt zurück. Das ist kein neues Muster: Bitcoin erholt sich oft zuerst, Altcoins folgen später.
Die Frage ist, ob dieses Muster diesmal greift. Die On-Chain-Daten zeigen Skepsis. Solange weniger als ein Viertel der Halter im Gewinn ist, fehlt die Grundlage für einen nachhaltigen Anstieg. Erst wenn mehr Halter profitabel sind, entsteht Momentum.