Der August hat den Kryptomarkt weit nach oben getragen, und die Altcoins liefen mit. Ethereum legte im Monatsvergleich sogar 27 Prozent zu und übertraf damit Bitcoin, der auf knapp 22 Prozent kam. Wer nur diesen Ausschnitt betrachtet, könnte glauben, die lang ersehnte Altcoin-Saison sei da. Ein Blick auf die Jahresbilanz zeigt jedoch ein anderes Bild: Das Loch, das die Altcoins über zwölf Monate aufgerissen haben, bleibt tief.
Der Monat trügt, das Jahr ist ehrlich
Die Zahlen vom 3. September machen den Unterschied deutlich. Ethereum notierte bei rund 2.407 Dollar und lag damit auf Jahressicht 44,7 Prozent im Minus. Bitcoin verlor im selben Zeitraum 30,5 Prozent. Die zweitgrösste Kryptowährung hat also nicht nur mehr verloren, sie hat auch nach der Erholung im August den Abstand zu Bitcoin nicht schliessen können. Der starke Monat kaschiert eine schwache Zwölf-Monats-Bilanz, statt sie zu heilen.
Auch weiter unten in der Rangliste bleibt die Lage gedämpft. Solana kostete rund 101 Dollar, XRP notierte bei 1,37 Dollar. Beide liegen weit unter ihren früheren Höchstständen. Selbst BNB, das mit rund 712 Dollar vergleichsweise stabil wirkt, konnte den breiten Markt nicht anführen. Die Erholung war real, aber sie hat die Altcoins nicht auf ein neues Niveau gehoben.
| Coin | Kurs (3. Sept.) | Monat | Jahr |
|---|---|---|---|
| Bitcoin | rund 77.960 Dollar | plus 21,8 Prozent | minus 30,5 Prozent |
| Ethereum | rund 2.407 Dollar | plus 27 Prozent | minus 44,7 Prozent |
| Solana | rund 101 Dollar | - | - |
| XRP | rund 1,37 Dollar | - | - |
Warum die Altcoins zurückbleiben
Für die anhaltende Schwäche gibt es strukturelle Gründe. Ein wesentlicher ist der Zugang zu institutionellem Kapital. Über die börsengehandelten Bitcoin-Produkte fliesst Geld gezielt in die grösste Kryptowährung, während viele Altcoins diesen Kanal noch nicht oder erst in Ansätzen haben. Ein Teil des Kapitals sucht ausserdem die einfachere Geschichte: Bitcoin gilt als digitaler Wertspeicher, Ethereum und die übrigen Altcoins gelten als Wetten auf Nutzung, Netzwerke und Anwendungen. In unsicheren Phasen bevorzugen Anleger das schlichtere Argument.
Immerhin gibt es Lichtblicke. Bei den Ethereum-Produkten registrierten Beobachter zuletzt zwölf Tage in Folge mit Zuflüssen, ein Zeichen, dass institutionelles Interesse an der Nummer zwei zurückkehrt. Auch die Angebotsseite spielt eine Rolle, wie wir beschrieben haben, als Staking und ETFs das Ethereum-Angebot schrumpfen liessen. Bei Solana wächst der Markt für eigene Fondsprodukte, wie das Beispiel zeigte, in dem eine Milliarde in einen Solana-ETF floss.
Was das für Anleger im DACH-Raum heisst
Wer im DACH-Raum auf Altcoins setzt, sollte die beiden Zeitachsen trennen. Ein guter Monat ist kein Beleg für eine Trendwende, und ein tiefes Jahresminus ist kein Garant für eine Aufholjagd. Die Kursdaten stammen aus der Rangliste von Forbes und den Notierungen bei Yahoo Finance. Entscheidend ist am Ende nicht, ob die Altcoins in einem einzelnen Monat glänzen, sondern ob sie den strukturellen Rückstand zu Bitcoin verringern. Genau das steht noch aus.