BaFin lehnt MiCA-Lizenz für Bitcoin.de ab

BaFin verweigert futurum bank AG die MiCA-Lizenz. Bitcoin.de stellt Handel ein. Die älteste deutsche Krypto-Börse sucht alternatives Betriebsmodell.

Tobias Reinhardt Nachrichten

Die BaFin hat den MiCA-Lizenzantrag der futurum bank AG abgelehnt. Damit verliert Bitcoin.de, Deutschlands älteste Krypto-Börse, die regulatorische Grundlage für den Handel. Der Betrieb auf Bitcoin.de ruht seit der Ablehnung am 7. Oktober 2026. Über 1,1 Millionen Nutzer sind betroffen.

Die futurum bank AG betreibt Bitcoin.de seit Jahren als regulierte Handelsplattform. Der Antrag auf eine MiCA-Lizenz sollte den Weiterbetrieb unter der neuen EU-Verordnung sichern. Die BaFin lehnte ab. Bitcoin.de stellte den Handel daraufhin ein. Die Plattform war 2011 gestartet und galt als Pionier des deutschen Krypto-Marktes.

Die Bitcoin Group SE, Muttergesellschaft der futurum bank, bestätigte die Ablehnung in einer Pressemitteilung. Die futurum bank arbeite an einem alternativen Betriebsmodell, heißt es in der Erklärung. Details nannte das Unternehmen nicht. Ein Zeitplan fehlt ebenfalls. Die Aktie der Bitcoin Group fiel nach Bekanntgabe um 12 Prozent.

Was MiCA von Krypto-Börsen verlangt

Die Markets in Crypto-Assets Regulation gilt seit 30. Dezember 2024 vollständig in der EU. Börsen müssen eine Lizenz bei der zuständigen Aufsicht beantragen. In Deutschland ist das die BaFin. Die Anforderungen umfassen Eigenkapital, IT-Sicherheit, Geldwäscheprävention und Anlegerschutz. Zusätzlich prüft die BaFin die Geschäftsführung und Compliance-Strukturen.

Bitcoin.de erfüllte eine oder mehrere dieser Anforderungen nach Einschätzung der BaFin nicht. Welche genau, ist unklar. Die BaFin äußert sich zu laufenden Verfahren nicht öffentlich. Die futurum bank nannte keine Gründe für die Ablehnung. Branchenbeobachter vermuten Schwachstellen im Bereich Geldwäscheprävention oder IT-Sicherheit.

Bis Anfang Oktober 2026 hat die BaFin 79 Krypto-Dienstleister unter MiCA lizenziert. 171 weitere Anträge liegen in Prüfung. Die meisten lizenzierten Anbieter kommen aus anderen EU-Ländern und nutzen das sogenannte Passporting. Eine in einem EU-Land erteilte Lizenz gilt in allen 27 Mitgliedstaaten. Deutschland liegt bei erteilten Lizenzen im Mittelfeld.

Alternative ohne Lizenz

Die futurum bank sucht nun nach einem Weg, Bitcoin.de ohne MiCA-Lizenz weiterzubetreiben. Ein mögliches Modell wäre die Beschränkung auf reine Vermittlung. Dabei würde die Börse nur noch Käufer und Verkäufer zusammenführen, ohne selbst Verwahrung oder Abwicklung zu übernehmen.

Diese Konstruktion fällt unter bestimmten Bedingungen nicht unter MiCA. Sie setzt aber voraus, dass ein lizenzierter Dritter die Verwahrung übernimmt. Ob die futurum bank einen solchen Partner findet, ist offen. Der Markt für White-Label-Lösungen ist begrenzt. Die großen Verwahrer wie Coinbase Custody oder Anchorage verlangen hohe Gebühren.

Eine zweite Option wäre der Verkauf der Plattform an einen Betreiber mit bestehender MiCA-Lizenz. Mehrere internationale Börsen haben in Deutschland bereits Lizenzen erhalten, darunter Bitpanda, Coinbase und Kraken. Ein Käufer könnte Bitcoin.de unter eigener Lizenz weiterführen. Das würde den Markennamen retten, aber nicht die Unabhängigkeit. Für die Bitcoin Group wäre es eine Notlösung.

Was mit Guthaben auf unlizenzierten Börsen passiert

Nutzer mit Guthaben auf Bitcoin.de sollten prüfen, ob sie ihre Coins und Euro-Guthaben abziehen können. Die futurum bank hat sich bisher nicht zu den Details des Ruhens geäußert. Unklar ist, ob Auszahlungen möglich bleiben oder ob auch diese gesperrt sind.

Wer sein Guthaben nicht auf einer Börse ohne MiCA-Lizenz liegen lassen will, muss auf eine andere Börse mit Lizenz wechseln oder die Coins in eine eigene Wallet übertragen. Eine Liste der lizenzierten Anbieter veröffentlicht die BaFin laufend. Self-Custody mit einem Hardware Wallet ist die sicherste Alternative, erfordert aber technisches Verständnis.

Konkurrenzdruck steigt

Bitcoin.de konkurrierte bisher vor allem über den Standort Deutschland und die Regulierung durch die BaFin. Ohne Lizenz fällt dieser Vorteil weg. Die Plattform hatte laut Unternehmensangaben zuletzt rund 1,1 Millionen registrierte Nutzer. Das Handelsvolumen lag deutlich unter dem der großen internationalen Börsen wie Binance oder Coinbase.

Die Ablehnung trifft Bitcoin.de zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Krypto-Markt erholt sich seit Anfang 2026 von den Kursverlusten des Vorjahres. Bitcoin handelt Anfang Oktober bei rund 82.000 Dollar. Das Interesse an Krypto-Investments steigt wieder. Die Konkurrenz mit MiCA-Lizenz profitiert von den strengeren Regeln. Für Bitcoin.de könnte MiCA das Ende bedeuten, wenn kein Ausweg gefunden wird.

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