BaFin-Warnung: 39 KI-Krypto-Seiten sammeln Kundendaten

Die BaFin warnt am 23. September 2026 vor 39 identischen Krypto-Webseiten, die Kundendaten sammeln und an unlizenzierte Finanzdienstleister weiterleiten.

Tobias Reinhardt Nachrichten

Die BaFin-Warnung erfasst 39 identische Betrugsseiten

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat am 23. September 2026 eine Warnung vor 39 Krypto-Webseiten veröffentlicht, die sich als KI-gestützte Handelsplattformen ausgeben. Die BaFin-Warnung richtet sich gegen Seiten, die Kundendaten über Kontaktformulare sammeln und an Betreiber unerlaubter Online-Handelsplattformen weiterleiten. Alle 39 Domains teilen ein nahezu identisches Layout und versprechen automatisierte Krypto-Handelstools.

Die BaFin-Warnung nennt unter anderem die Domains coravelis.com, jorvaki.com, levorelio.net, lexovario.org, loravexo.com, mavriten.net, monvaret.org, natrovex.com, renvaki.net und semtovexo.org. Keine der aufgeführten Seiten enthält ein vollständiges Impressum nach deutschem Recht. Die tatsächlichen Betreiber bleiben unbekannt, und die BaFin vermutet Verbindungen zu früheren Betrugsfällen.

Die Zahl von 39 gleichzeitig gemeldeten Domains ist ungewöhnlich hoch. Frühere BaFin-Warnungen im Jahr 2026 richteten sich meist gegen einzelne Plattformen oder kleine Gruppen. Das koordinierte Auftreten der identischen Seiten deutet auf ein organisiertes Netzwerk hin, das gezielt deutsche Anleger anspricht.

Lead-Generierung für unlizenzierte Anbieter

Das Geschäftsmodell der Betrüger funktioniert als Lead-Generierungs-Netzwerk für unlizenzierte Finanzdienstleister. Nutzer geben persönliche Informationen wie Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Angaben zur Investitionsbereitschaft in Formulare ein. Die Formulare versprechen Zugang zu automatisierten KI-Handelstools, die angeblich überdurchschnittliche Renditen erzielen. Die gesammelten Daten landen jedoch bei Drittanbietern ohne BaFin-Lizenz.

Die Masche unterscheidet sich von klassischen Krypto-Scams. Statt direkt Geld zu verlangen oder gefälschte Trading-Ergebnisse anzuzeigen, monetarisieren die Betreiber Kontaktdaten. Nutzer werden später von unlauteren Anbietern kontaktiert, die aggressive Verkaufsmethoden einsetzen. Das unmittelbare Risiko liegt nicht im Verlust von Krypto-Vermögen, sondern in der unkontrollierten Weitergabe persönlicher Informationen.

Die BaFin-Warnung beschreibt die Seiten als "ohne rechtmäßige Geschäftsgrundlage". Wer ein solches Formular ausfüllt, gibt seine Daten an Akteure weiter, deren Identität und Absichten unbekannt bleiben. Die Kontaktdaten können mehrfach verkauft werden, sodass Betroffene mit wiederholten Anrufen rechnen müssen.

Wie Sie unlizenzierte Plattformen erkennen

Die BaFin führt auf ihrer Webseite eine öffentliche Unternehmensdatenbank, in der alle registrierten Krypto-Dienstleister gelistet sind. Fehlt ein Anbieter in dieser Datenbank, darf er in Deutschland keine regulierten Finanzdienstleistungen erbringen. Die Prüfung dauert weniger als drei Minuten und sollte vor jeder Kontoeröffnung erfolgen.

Ein fehlendes oder unvollständiges Impressum ist das deutlichste Warnsignal. Seriöse Anbieter geben Name, Adresse, Handelsregisternummer und Geschäftsführung an. Die 39 in der BaFin-Warnung genannten Seiten verzichten vollständig auf diese Angaben. Auch unrealistische Renditeversprechen und aggressive Werbung mit Künstlicher Intelligenz deuten auf unseriöse Anbieter hin.

Die BaFin-Warnung vom 23. September 2026 umfasst mehr Domains als jede frühere Einzelmeldung in diesem Jahr. Die Behörde veröffentlicht regelmäßig aktualisierte Listen verdächtiger Anbieter. Anleger sollten diese Listen konsultieren, bevor sie Daten eingeben oder Geld überweisen.

MiCA verstärkt den Druck auf unerlaubte Anbieter

Die Markets in Crypto-Assets Verordnung (MiCA) verpflichtet seit Dezember 2024 alle Krypto-Dienstleister in der EU zur Lizenzierung. In Deutschland vergibt die BaFin diese Lizenzen nach Prüfung der Geschäftsmodelle, der technischen Systeme und der Geschäftsführung. Laut der BaFin-Statistik vom August 2026 haben 79 Anbieter eine deutsche Lizenz erhalten, während 171 über das Passporting-Verfahren aus anderen EU-Ländern operieren.

Unlizenzierte Plattformen, die EU-Kunden ansprechen, verstoßen gegen MiCA. Die BaFin kann gegen diese Anbieter vorgehen, indem sie Domains sperren lässt, Zahlungsdienstleister zur Blockierung auffordert oder Strafanzeige stellt. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen bleibt jedoch begrenzt, wenn Betreiber schnell neue Domains registrieren und Server außerhalb der EU betreiben.

Die 39 in der aktuellen BaFin-Warnung genannten Seiten operieren ohne jede Lizenz. Sie bieten keine echten Handelsdienstleistungen an, sondern funktionieren ausschließlich als Datensammler. MiCA schützt Verbraucher vor solchen Praktiken, indem sie klare Anforderungen an Transparenz und Geschäftsführung stellt. Anbieter, die diese Anforderungen nicht erfüllen, dürfen keine EU-Kunden ansprechen.

Was Betroffene jetzt tun sollten

Wer bereits Daten auf einer der 39 gelisteten Seiten eingegeben hat, sollte mit unerwünschten Kontaktaufnahmen rechnen. Die BaFin empfiehlt, verdächtige Anrufe oder E-Mails konsequent zu ignorieren und keine weiteren persönlichen Informationen preiszugeben. Niemals sollten Betroffene auf Zahlungsaufforderungen reagieren oder Kontodaten übermitteln.

Eine Meldung an die BaFin über das offizielle Beschwerdeformular unterstützt die laufenden Ermittlungen. Je mehr Hinweise die Behörde erhält, desto schneller kann sie gegen die Betreiber vorgehen. Auch Meldungen bei der Polizei oder Verbraucherzentralen helfen, das Ausmaß des Betrugs zu dokumentieren.

Die vollständige Liste der 39 Domains ist auf der BaFin-Webseite einsehbar. Die BaFin-Warnung wird regelmäßig aktualisiert, sobald neue verdächtige Seiten bekannt werden. Nutzer, die unsicher sind, ob eine Plattform seriös ist, können die Unternehmensdatenbank der BaFin durchsuchen oder direkt bei der Behörde anfragen. Die BaFin warnt seit Monaten verstärkt vor unlauteren Praktiken im Krypto-Bereich, insbesondere vor Plattformen, die mit unrealistischen Renditen werben.

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