Die US-Spot-Bitcoin-ETFs haben zu Wochenbeginn Geld verloren. Nach Angaben von Cointelegraph zogen Anleger an den ersten beiden Handelstagen dieser Woche netto rund 166,8 Millionen Dollar aus den Fonds ab. Allein am Mittwoch waren es 120,2 Millionen Dollar. Damit endet die längste Zuflussphase der Bitcoin-ETFs in diesem Jahr, und das ausgerechnet vor einem wichtigen Konjunkturtermin.
Auffällig ist die Richtung des Geldes. Während die Bitcoin-ETFs Abflüsse verzeichneten, sammelten die Ether-Fonds am Mittwoch 34,7 Millionen Dollar ein, die Solana-Produkte weitere 11,2 Millionen Dollar. Das Kapital verlässt also nicht den Kryptomarkt, es wechselt lediglich die Anlageklasse.
Welche Fonds am stärksten betroffen sind
Den größten Abfluss am Mittwoch trug der ARK-21Shares-Fonds ARKB mit 78 Millionen Dollar. Es folgten Grayscales GBTC mit 27,2 Millionen Dollar und BlackRocks IBIT mit 19,5 Millionen Dollar. Dass selbst IBIT als größter Fonds Geld abgibt, zeigt, dass der Rücksetzer breit getragen wird und nicht an einem einzelnen Anbieter hängt.
Für das laufende Jahr summieren sich die Abflüsse aus den Bitcoin-ETFs damit auf rund 1,07 Milliarden Dollar. Seit ihrem Start haben die Fonds unterm Strich dennoch etwa 55 Milliarden Dollar aufgenommen. Gemessen an dieser Bilanz fällt der aktuelle Abschwung gering aus. Er kommt aber kurz, nachdem die Fonds an einem einzigen Rekordtag noch 731 Millionen Dollar eingesammelt hatten.
Warum der Zeitpunkt heikel ist
Der Bitcoin-Kurs notierte am Donnerstag nahe 78.000 Dollar und gab anschließend in Richtung 77.000 Dollar nach. Über der Stimmung liegt der US-Inflationsbericht, der noch aussteht. Laut dem FedWatch-Werkzeug der CME Group preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 62,2 Prozent für eine Zinserhöhung auf der nächsten Sitzung der US-Notenbank am 15. und 16. September ein. Steigende Zinsen gelten als Gegenwind für zinslose Anlagen wie Bitcoin. Wie stark solche Makrodaten wirken, zeigte zuletzt die Reaktion auf die US-Arbeitsmarktdaten.
Für Anleger im DACH-Raum bleibt der Umweg entscheidend. Spot-ETFs auf Bitcoin sind in der EU nicht für Privatkunden zugelassen. Wer die Bewegung nachbilden will, greift zu börsengehandelten Produkten auf Xetra. Welche Altcoin-ETPs dort handelbar sind, zeigt unser Überblick für DACH-Anleger. Warum es hierzulande keinen Fonds nach US-Vorbild gibt, ordnet unsere Analyse zum fehlenden Krypto-ETF ein.
Was Anleger jetzt beobachten
Die nächsten Tage entscheiden, ob die Umschichtung von Bitcoin zu Ether anhält oder nur eine kurze Momentaufnahme bleibt. Ein höher als erwarteter Inflationswert würde eine Zinserhöhung wahrscheinlicher machen und den Druck auf die Bitcoin-ETFs verstärken. Ein schwacher Wert könnte die Abflüsse dagegen rasch stoppen. Bis dahin bleibt die Bilanz zweigeteilt: Bitcoin verliert Kapital, Ether zieht es an.