BlackRocks Ether-Fonds mit Staking hat sich fast unbemerkt in die Spitzengruppe geschoben. Der iShares Staked Ethereum Trust, Kürzel ETHB, verwaltet seit seinem Start im März 2026 nach Angaben von Benzinga bereits über 980 Millionen Dollar. Damit ist der Staking-ETF der fünftgrößte Ethereum-Fonds am US-Markt und hat Produkte von Bitwise, VanEck und Franklin Templeton überholt. Der Reiz liegt auf der Hand: Das Produkt bildet nicht nur den Ether-Kurs ab, sondern schüttet zusätzlich die Belohnungen aus dem Staking aus.
Für viele Anleger klingt das nach dem Besten aus zwei Welten. Doch für den DACH-Raum steckt der Haken schon im Zugang, und ein zweiter wartet beim Finanzamt.
Was ein Staking-ETF überhaupt leistet
Ein klassischer Ether-ETF hält die Kryptowährung und folgt ihrem Preis. Ein Staking-ETF geht einen Schritt weiter. Er hinterlegt einen Teil der gehaltenen Coins im Netzwerk, um Transaktionen abzusichern, und erhält dafür eine laufende Belohnung. Bei ETHB liegt diese Rendite laut Benzinga aktuell bei rund 2,65 Prozent im Jahr. Davon zieht der Anbieter eine Gebühr von 0,25 Prozent ab. Netto bleibt also ein einstelliger Ertrag, der über die reine Kursentwicklung hinausgeht. Der Unterschied zu einem Sparbuch ist dabei entscheidend: Die Belohnung stammt nicht aus einem Zinsversprechen, sondern aus der Arbeit, die das Ethereum-Netzwerk vergütet. Fällt ein Validator aus oder verhält er sich regelwidrig, kann ein Teil des Einsatzes verloren gehen. Diese als Slashing bekannte Strafe trägt bei einem Fonds der Anbieter, beim eigenen Staking der Anleger selbst.
Dass dieses Modell Kapital anzieht, zeigen die Zahlen des gesamten Segments. Die US-Ether-ETFs verwalten zusammen 15,57 Milliarden Dollar, allein im August kamen 1,8 Milliarden Dollar hinzu. Die Nachfrage nach laufendem Ertrag ist im Kryptomarkt spürbar. Dass Staking und Fondsnachfrage zugleich das verfügbare Angebot an Ether verknappen, haben wir im Beitrag zu Staking und schrumpfendem Angebot beschrieben.
Warum DACH-Anleger nicht zugreifen können
Der erste Haken betrifft den Zugang. ETHB ist ein US-Spot-Fonds, und solche Produkte sind in der EU nicht für Privatanleger zugelassen. Ein deutscher, österreichischer oder Schweizer Sparer kann den Staking-ETF über seine Bank in aller Regel nicht kaufen. Wer Ether mit Rendite abbilden will, ist auf börsengehandelte Produkte, sogenannte ETPs, angewiesen, oder er stakt selbst über eine Wallet. Warum die EU und die USA hier so unterschiedlich vorgehen, ordnet unsere Analyse zum fehlenden Krypto-ETF ein.
Diese Trennung ist kein Zufall. Unter MiCA gelten für in der EU vertriebene Kryptoprodukte eigene Regeln, und die US-Fondsstruktur erfüllt sie nicht. Für Anleger heißt das im Klartext: Die Schlagzeile über den Rekordfonds beschreibt einen Markt, an dem sie nicht direkt teilnehmen.
Der zweite Haken ist das Finanzamt
Angenommen, ein Anleger stakt selbst und erzielt die 2,65 Prozent. Dann rückt der deutsche Fiskus ins Bild. Staking-Belohnungen zählen als sonstige Einkünfte und werden im Zeitpunkt des Zuflusses mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Es gilt eine eigene Freigrenze von 256 Euro pro Jahr. Wird sie überschritten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig, nicht nur der Teil oberhalb der Grenze.
Hinzu kommt eine Feinheit bei der Haltefrist. Für die gestakten Coins selbst gilt weiterhin die Einjahresregel des Paragraf 23 EStG, nach der ein späterer Verkaufsgewinn steuerfrei ist. Wie diese Frist im Detail funktioniert, zeigt unser Beitrag zur Einjahres-Haltefrist. Die laufende Belohnung aber ist davon unberührt und sofort zu versteuern.
| Weg | Für DACH zugänglich | Bruttorendite | Steuer auf den Ertrag |
|---|---|---|---|
| US-Staking-ETF (ETHB) | Nein | rund 2,65 Prozent | US-Struktur, für DACH nicht relevant |
| Krypto-ETP auf Xetra | Ja | je nach Produkt | abhängig von der Produktart |
| Eigenes Staking per Wallet | Ja | netzwerkabhängig | sonstige Einkünfte, 256 Euro Freigrenze |
Ob sich der Aufwand am Ende lohnt
Damit relativiert sich die Schlagzeile. Eine Bruttorendite von 2,65 Prozent schrumpft nach Fondsgebühr, nach Steuer auf die Belohnung und nach dem Wechselkursrisiko spürbar. Für einen US-Anleger im ETHB mag der Fonds die bequemste Lösung sein. Für einen Sparer im DACH-Raum bleibt vor allem die Einsicht, dass Rendite im Kryptomarkt selten geschenkt wird. Wer selbst stakt, trägt zusätzlich die Verantwortung für die eigene Verwahrung, wie unser Leitfaden zur Self-Custody zeigt.
Der Staking-ETF ist damit weniger eine verpasste Chance als ein Lehrstück. Er verbindet Kursexposure mit Ertrag, verlangt dafür aber Gebühren, klare steuerliche Pflichten und, im Fall der USA, einen Zugang, den europäische Regeln bewusst verschließen. Anleger im DACH-Raum sollten die Zahl in der Schlagzeile deshalb nicht als Versprechen lesen, sondern als Ausgangspunkt für die eigene Rechnung. Wer diese Rechnung sauber aufstellt, erkennt schnell, dass die 2,65 Prozent eher ein Zusatz sind als ein Fundament.