Drei Netzwerke verarbeiten 90 Prozent aller Layer-2-Transaktionen
Base, Arbitrum und Optimism dominieren Ethereums Layer-2-Landschaft. Zusammen wickeln die drei Rollups Ende 2025 knapp 90 Prozent aller Layer-2-Transaktionen ab. Base allein kommt auf über 60 Prozent. Über 50 konkurrierende Layer-2-Netzwerke kämpfen um die verbleibenden 10 Prozent. Die Mehrheit davon ist auf dem Weg, bedeutungslos zu werden.
21Shares, ein Anbieter von Krypto-ETPs, prognostiziert in einem aktuellen Bericht eine 'schlankere, widerstandsfähigere' Layer-2-Struktur bis Ende 2026. Die Firma erwartet eine Konsolidierung um drei Gruppen: ETH-ausgerichtete Netzwerke, die Gebühren an Ethereum zurückführen, Hochleistungs-Chains für Echtzeit-Ausführung und börsengestützte Layer 2.
Kleinere Rollups verlieren 61 Prozent der Nutzung
Ab Juni 2026 ist die Aktivität auf kleineren Rollups um 61 Prozent gefallen. Viele sind zu 'Zombie-Chains' geworden: Sie laufen technisch, doch es gibt kaum Transaktionen, wenig Liquidität und keine Entwickler mehr. Kinto hat den Betrieb eingestellt. Loopring schloss seinen Wallet-Service. Blast, das im Frühjahr noch Aufmerksamkeit auf sich zog, verlor 97 Prozent seines Total Value Locked.
Aave und Synthetix, zwei der größten DeFi-Protokolle, haben Deployments auf schwächeren Layer 2 zurückgefahren. Der Grund ist fehlende Liquidität. Wenn kaum jemand auf einem Rollup handelt, bringen auch die besten Smart Contracts keine Erträge. DeFi-Sicherheit spielt nur dort eine Rolle, wo tatsächlich Kapital bewegt wird.
Das Dencun-Upgrade löste einen Gebührenkrieg aus
Ethereums Dencun-Upgrade senkte die Layer-2-Gebühren um etwa 90 Prozent. Das war das Ziel: günstigere Transaktionen für Nutzer. Die Folge war jedoch ein Preiskampf, den die meisten Rollups verloren haben. Base war 2025 das einzige Layer-2-Netzwerk, das einen Gewinn erwirtschaftete. Die Firma verdiente rund 55 Millionen Dollar. Alle anderen schrieben rote Zahlen.
Niedrige Gebühren bedeuten niedrige Einnahmen. Rollups müssen aber weiterhin Daten auf Ethereum veröffentlichen, Sequenzer betreiben und Entwickler bezahlen. Wer keine kritische Masse an Nutzern erreicht, kann diese Kosten nicht decken. Ethereums eigene Gebühren fielen um 88 Prozent, weil Layer 2 den Traffic abzog. Jetzt zahlen die Rollups den Preis für ihre eigene Effizienz.
Warum Base gewinnt
Base ist das Layer-2-Netzwerk von Coinbase. Es startete mit einem eingebauten Vorteil: Zugang zu Millionen Coinbase-Nutzern. Die Börse integrierte Base direkt in ihre Plattform. Wer auf Coinbase ein Konto hat, kann mit einem Klick auf Base wechseln. Kein anderes Rollup hat diese Onboarding-Infrastruktur.
Der zweite Vorteil ist Liquidität. Coinbase brachte von Anfang an Marktmacher, institutionelle Partner und DeFi-Protokolle mit. Base musste nicht um jedes Projekt betteln. Es hatte sofort ein funktionierendes Ökosystem. Kleinere Rollups starten mit leeren Chains und hoffen, dass Nutzer kommen. Base startete mit Nutzern und wartete darauf, dass Projekte nachziehen.
Der dritte Faktor ist Vertrauen. Coinbase ist eine börsennotierte Firma mit regulatorischer Lizenz. Institutionelle Anleger, die keinem anonymen Rollup-Team vertrauen, können Base nutzen, weil Coinbase dahinter steht. Das gilt auch für Binance und BNB Chain. 21Shares erwartet, dass Bybit mit Mantle und Kraken mit Ink diesem Muster folgen werden.
Drei Überlebensstrategien für Layer 2
21Shares identifiziert drei Gruppen, die 2026 überleben könnten. Erstens: ETH-ausgerichtete Rollups wie Linea, die Gebühren an Ethereum zurückführen und sich als Teil des Ethereum-Ökosystems positionieren. Sie konkurrieren nicht mit Ethereum, sondern verstärken es. Ihre Daseinsberechtigung liegt in der Loyalität zur Haupt-Chain.
Zweitens: Hochleistungs-Layer-2-Netzwerke, die auf Echtzeit-Ausführung setzen. MegaETH ist ein Beispiel. Diese Chains zielen auf Anwendungen, die Blockzeiten unter einer Sekunde benötigen: Gaming, Prediction Markets, hochfrequente DeFi-Strategien. Sie bedienen eine Nische, die Ethereum selbst nie abdecken kann.
Drittens: börsengestützte Layer 2. Base und BNB Chain beweisen, dass Börsen Millionen Nutzer onboarden können. Polymarket, eine der größten Prediction-Market-Plattformen, läuft auf einer eigenen Chain. 21Shares prognostiziert, dass Prediction Markets 2026 ein Handelsvolumen von über 100 Milliarden Dollar erreichen könnten. Wer diese Nische bedient, braucht keine universelle Nutzerbasis.
Was mit den Verlierern passiert
Rollups ohne klare Nische und ohne finanziellen Rückhalt werden stillgelegt oder zu Geister-Chains. Kinto ist bereits weg. Loopring existiert weiter, doch ohne Wallet-Service ist die Nutzerbasis kollabiert. Blast hat 97 Prozent seiner Liquidität verloren und wird vermutlich 2027 eingestellt.
Einige Projekte versuchen, durch Fusionen zu überleben. Zwei schwache Rollups zusammenzulegen löst das Liquiditätsproblem aber nicht. Die Nutzer, die bereits gegangen sind, kommen nicht zurück, nur weil zwei tote Chains sich vereinen. Andere wechseln zu App-Chains: statt als universelles Rollup zu scheitern, bauen sie eine eigene Chain für eine einzige Anwendung. Das funktioniert nur, wenn die Anwendung groß genug ist.
Ethereums Trilemma auf Layer 2
Ethereum selbst konnte das Blockchain-Trilemma nicht lösen: Dezentralität, Sicherheit und Skalierbarkeit gleichzeitig zu maximieren. Layer 2 sollte die Skalierung übernehmen. Doch jetzt zeigt sich, dass Layer-2-Netzwerke ein eigenes Trilemma haben: Liquidität, Gebühren und Profitabilität.
Wer niedrige Gebühren bietet, zieht vielleicht Nutzer an, verdient aber kein Geld. Wer hohe Gebühren verlangt, verliert Nutzer an günstigere Konkurrenten. Wer keine Liquidität hat, kann weder günstig noch teuer sein, weil niemand dort handelt. Nur Rollups mit externem Kapital oder einem Liquiditäts-Sponsor wie Coinbase lösen dieses Problem.
Die Prognose für 2027
21Shares erwartet, dass bis Ende 2026 eine handvoll dominanter Layer-2-Netzwerke übrig bleibt. Base, Arbitrum und Optimism führen. Linea könnte als ETH-loyales Rollup bestehen. MegaETH oder ein ähnliches Hochleistungs-Netzwerk bedient die Echtzeit-Nische. Börsengestützte Chains von Bybit, Kraken und möglicherweise weiteren Exchanges kommen hinzu.
Der Rest stirbt oder schrumpft zur Bedeutungslosigkeit. Das ist keine Spekulation mehr. Kinto, Loopring und Blast haben bereits verloren. Die nächste Welle von Ausfällen kommt 2027, wenn Investoren aufhören, unprofitable Rollups zu finanzieren. Ethereum selbst wird davon profitieren: weniger Layer 2 bedeutet mehr Aktivität auf den überlebenden Chains, was die Datenveröffentlichung auf Ethereum erhöht und die Gebühreneinnahmen stabilisiert.
Für Entwickler bedeutet das: nicht auf jedem Rollup deployen. Die Chains, die heute noch aktiv aussehen, könnten in einem Jahr Geister-Netzwerke sein. Für Nutzer: Liquidität prüfen, bevor sie Assets auf ein Rollup überweisen. Wer auf einem sterbenden Netzwerk sitzt, verliert vielleicht keine Coins, doch die Rückbrücke nach Ethereum kann teuer und langsam werden, wenn kaum noch jemand den Sequenzer betreibt.