Der Altcoin Season Index erreichte am 8. Oktober 2026 einen Wert von 61 Punkten, den höchsten Stand seit April. Der Index misst, wie viele der Top-50-Altcoins Bitcoin in den letzten 90 Tagen übertroffen haben. Ab 75 Punkten gilt eine Altcoin-Saison offiziell als aktiv. Die aktuelle Bewegung zeigt, dass sich Kapital von Bitcoin in Richtung Ethereum, Solana und Layer-1-Alternativen verschiebt. Doch 75 Prozent der Altcoin-Halter sitzen noch im Verlust, was die Frage aufwirft, ob die Rotation nachhaltig ist.
Was der Index zeigt
Der Altcoin Season Index berechnet, wie viele der Top-50-Kryptowährungen (nach Marktkapitalisierung, ohne Stablecoins) Bitcoin über einen 90-Tage-Zeitraum outperformen. Ein Wert über 75 bedeutet, dass mehr als 75 Prozent der Altcoins besser abschneiden als BTC. Der aktuelle Wert von 61 liegt unter dieser Schwelle, zeigt aber einen klaren Aufwärtstrend. Im Juli 2026 lag der Index noch bei 38 Punkten.
Die Gewinner der letzten drei Monate sind Ethereum, Solana, Cardano und Avalanche. Ethereum stieg von 2.300 auf 2.680 Dollar, Solana von 96 auf 106 Dollar. Diese Bewegungen reichen aus, um den Index zu heben, da sie prozentual stärker waren als Bitcoins Zuwachs von 79.000 auf 84.000 Dollar im selben Zeitraum. Kleinere Altcoins wie Polkadot und Chainlink blieben hinter Bitcoin zurück, was verhindert, dass der Index die 75-Punkte-Marke erreicht.
75 Prozent im Verlust
Trotz der jüngsten Erholung halten 75 Prozent aller Altcoin-Adressen ihre Positionen im Verlust. On-Chain-Daten von Glassnode zeigen, dass der durchschnittliche Kaufpreis für Ethereum bei 2.950 Dollar liegt, während der aktuelle Preis bei 2.680 Dollar steht. Bei Solana liegt der Break-even bei 128 Dollar, der Kurs bei 106 Dollar. Diese Zahlen bedeuten, dass die meisten Käufer aus den Bullenmärkten 2021 und 2024 noch warten.
Bitcoin zeigt ein anderes Bild: Nur 18 Prozent der BTC-Halter sind im Verlust. Der Unterschied erklärt sich durch Bitcoins längere Erholungszyklen und seine Rolle als primäre Kapitalzufluss-Route. Institutionelle Käufer über ETFs konzentrieren sich auf Bitcoin, was den Preis stützt. Altcoins hingegen bleiben volatiler und anfälliger für Gewinnmitnahmen, sobald der Preis steigt.
Kapitalrotation oder Strohfeuer
Die Frage lautet: Ist der Anstieg des Altcoin Season Index der Beginn einer nachhaltigen Rotation, oder nur eine kurzfristige Spekulation vor wichtigen Makro-Ereignissen? Die Inflationsdaten am 14. Oktober und die anstehende Fed-Entscheidung im November könnten die Richtung bestimmen. Falls die Fed Zinssenkungen signalisiert, würden risikoreiche Assets wie Altcoins profitieren. Eine Zinserhöhung würde die Rotation abwürgen.
Ethereum profitiert aktuell von Erwartungen an das nächste Netzwerk-Upgrade, das die Gebühren weiter senken soll. Solana zieht Entwickler und DeFi-Projekte an, die niedrige Transaktionskosten suchen. Diese fundamentalen Treiber unterstützen die Preise, doch sie reichen nicht aus, um eine Altcoin-Saison allein zu tragen. Ohne breitere Liquiditätszuflüsse bleibt die Bewegung begrenzt.
Die 75-Punkte-Schwelle im Blick
Um die 75-Punkte-Marke zu erreichen, müssten mindestens 38 der Top-50-Altcoins Bitcoin in den nächsten Wochen übertreffen. Das erfordert entweder eine Bitcoin-Konsolidierung unter 84.000 Dollar oder einen breiten Altcoin-Rally. Die Wahrscheinlichkeit steigt, falls institutionelles Kapital von Bitcoin-ETFs in Ethereum-ETFs umschichtet. BlackRock und Fidelity bieten beide Produkte an, doch die Zuflüsse in Ethereum-ETFs bleiben bisher schwach.
Der Index ist ein Frühindikator, kein Handelssignal. Ein Wert von 61 zeigt, dass die Marktdynamik sich verschiebt, aber noch nicht gekippt ist. Trader sollten die 75-Punkte-Schwelle beobachten. Sobald sie überschritten wird, folgt historisch eine Phase erhöhter Altcoin-Volatilität, die sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Bis dahin bleibt Bitcoin die defensive Position.