Circle kritisiert die 60-Prozent-Regel
Circle, der Emittent der zweitgrößten MiCA Stablecoin USDC, hat am 1. Oktober 2026 eine Stellungnahme zur laufenden MiCA-Konsultation eingereicht. Das Unternehmen fordert die Europäische Union auf, die 60-Prozent-Bankeinlagen-Regel für bedeutende E-Geld-Token zu überdenken. Die aktuelle MiCA Stablecoin-Regelung schreibt vor, dass Emittenten mindestens 60 Prozent ihrer Reserven in Bankeinlagen halten müssen, sobald die Europäische Bankenaufsicht (EBA) einen Token als systemrelevant einstuft.
Patrick Hansen, Director of EU Strategy and Policy bei Circle, argumentiert in der Einreichung, dass diese starre Mindestanforderung das Risiko erhöhe: "Die Bankeinlagen-Untergrenze erhöht die Exposition gegenüber dem Kredit- und Kontrahentenrisiko des Bankensektors." Circle schlägt stattdessen ein Liquiditätsmodell vor, das sich an der Fälligkeitsstruktur der Reserven orientiert, statt an einer festen Quote.
Nur drei Stablecoins erfüllen die MiCA-Anforderungen
Nach Angaben von Circle sind derzeit nur drei der 25 größten Stablecoins nach Marktkapitalisierung MiCA-konform: USDC, USDG und EURC. Tether lehnte eine MiCA-Lizenz ab und verließ den europäischen Markt weitgehend. Die geringe Zahl zugelassener MiCA Stablecoin-Emittenten schränkt die Auswahl für europäische Anleger erheblich ein.
Die 60-Prozent-Regel trat nach der Übergangsphase von MiCA in Kraft. Für kleinere Token gilt zunächst eine 30-Prozent-Schwelle. Sobald die EBA einen Token jedoch als "bedeutend" einstuft, verdoppelt sich die Anforderung auf 60 Prozent. Circle weist darauf hin, dass das Unternehmen im März 2023 rund 3,3 Milliarden US-Dollar von insgesamt etwa 40 Milliarden US-Dollar an USDC-Reserven bei der Silicon Valley Bank hielt, als diese zusammenbrach.
Höhere Bankeinlagen bedeuten laut Circle ein höheres Konzentrationsrisiko. Das Unternehmen argumentiert, dass eine zu hohe Abhängigkeit von Bankeinlagen die Stabilität der MiCA Stablecoin-Reserven gefährden könnte, anstatt sie zu sichern. Eine breitere Streuung über verschiedene Anlageformen wie kurzlaufende Staatsanleihen würde das Ausfallrisiko senken.
Deutsche Nutzer zwischen EURC und USDC
Für deutsche Anleger stellt sich die Frage, ob sie auf EURC oder auf USDC setzen sollen. Euro-Stablecoins bleiben trotz Boom winzig im Vergleich zu USDC. EURC bietet Währungsstabilität im Euro-Raum, während USDC weiterhin das größere Handelsvolumen und mehr DeFi-Integration aufweist. Beide Stablecoins unterliegen bei Verkauf innerhalb eines Jahres nach Erwerb der Steuerpflicht gemäß Paragraf 23 EStG.
Gewinne aus MiCA Stablecoin-Transaktionen zählen als private Veräußerungsgeschäfte. Nach einem Jahr Haltedauer entfällt die Steuerpflicht. Diese Regel gilt für den direkten Kauf und Verkauf von USDC oder EURC. Bei ETPs auf Stablecoins gelten andere Regeln, da diese als Wertpapiere klassifiziert werden und der Abgeltungsteuer unterliegen.
Circles Vorschlag und die Zukunft von MiCA
Circle fordert in der Stellungnahme eine Reserveregelung, die sich an Liquidität und Fälligkeiten orientiert, statt an einer pauschalen Prozentquote. Ein solches Modell würde nach Ansicht des Unternehmens das Risiko besser verteilen und gleichzeitig die erforderliche Liquidität sicherstellen. Die Europäische Kommission prüft derzeit die eingegangenen Stellungnahmen zur MiCA-Revision. Die Konsultation zu MiCA-Änderungen bei Staking und DeFi endete Ende September 2026.
Circles Einreichung zielt speziell auf die Reserveanforderungen ab. Ob die EU-Kommission die Regelung anpasst, bleibt offen. Eine Entscheidung wird für das erste Quartal 2027 erwartet. Für deutsche Nutzer bedeutet dies zunächst eine Fortsetzung des Status quo: USDC und EURC bleiben verfügbar, während USDT in der EU weitgehend verdrängt wurde. Die BaFin überwacht die Einhaltung der MiCA-Vorgaben und lizenziert Anbieter im deutschen Markt.