Visa und Mastercard führen Gespräche mit Stripe und Coinbase über eine gemeinsame Stablecoin-Plattform. Das berichtete CoinDesk am 3. Juni 2026 unter Berufung auf anonyme Quellen. Der Markt für Stablecoins liegt bei über 300 Milliarden Dollar, doch die Integration in den Mainstream-Zahlungsverkehr stockt seit Jahren. Ein Konsortium aus den größten Zahlungsdienstleistern könnte das ändern , oder an denselben Hürden scheitern, die Facebooks Libra 2019 zu Fall brachten.
Es gibt bisher keinen formellen Deal und möglicherweise nicht einmal Absichtserklärungen. Weitere Unternehmen könnten beteiligt sein. Der Plan, soweit er existiert, zielt darauf ab, Händler zur Nutzung eines eigenen Tokens zu bewegen. Die Partner würden Einnahmen aus den Reserven und anderen Quellen generieren. Visa, Mastercard und Stripe verarbeiten bereits einen Großteil der alltäglichen Transaktionen. Ihre Beteiligung könnte die Stablecoin-Akzeptanz im Einzelhandel beschleunigen.
Coinbase sitzt auf USDC-Zinsen
Coinbase kassiert derzeit den Großteil der Zinsen auf USDC-Reserven aufgrund eines Vertrags mit Circle aus dem Jahr 2023. Diese Verträge verlängern sich automatisch zu denselben Bedingungen. Eine eigene Plattform würde Coinbase erlauben, diese Position auszubauen und gleichzeitig Visa und Mastercard Zugang zu einem lukrativen Geschäftsfeld zu verschaffen.
Das Problem ist der Wettbewerb. Visa, Mastercard und Stripe sind Konkurrenten. Vertrauen aufzubauen und mehrere große Konzern-Bürokratien zu koordinieren, ist eine Herausforderung. Kartellbehörden werden genau hinsehen. Frühere Konsortien sind gescheitert: Facebooks Libra-Projekt zerbrach 2019, R3s Blockchain-Koalition für Banken kam nie über Pilotprojekte hinaus.
USDT dominiert Zahlungen, USDC führt bei DeFi
Tether (USDT) bleibt trotz regulatorischer Bedenken der meistgenutzte Stablecoin für Zahlungen. USDC hat eine starke Position in DeFi-Protokollen, wird aber bei Merchant-Transaktionen weniger genutzt. Ein Visa-Mastercard-Konsortium könnte ein drittes Modell schaffen: einen Stablecoin, der auf bestehende Zahlungsinfrastruktur aufsetzt und von Beginn an Händler-Akzeptanz hat.
Das würde die Marktdynamik verschieben. USDT profitiert von Netzwerkeffekten und niedriger Regulierungskonformität. USDC ist MiCA-konform, wird aber in der EU durch die 60-Prozent-Bankreserve-Regel eingeschränkt. Ein Token, der direkt in Visa- und Mastercard-Terminals integriert ist, hätte einen strukturellen Vorteil gegenüber beiden.
MiCA und die 60-Prozent-Regel als Bremse
In der EU würde eine solche Plattform unter MiCA fallen. Die Verordnung verlangt, dass signifikante E-Geld-Token 60 Prozent der Reserven in Bankeinlagen halten. Circle hat diese Regel scharf kritisiert und argumentiert, dass sie das Konzentrationsrisiko im Bankensektor erhöht. Die Europäische Zentralbank hat ebenfalls Bedenken geäußert.
Ein Visa-Mastercard-Konsortium hätte genug Gewicht, um auf Regulierungsänderungen zu drängen. Doch die MiCA-Regeln sind erst seit Juni 2024 in Kraft, und eine Anpassung würde Jahre dauern. Solange bleibt der EU-Markt schwierig für US-geführte Stablecoin-Projekte. Tether hat sich komplett aus der EU zurückgezogen, USDC ist unter MiCA aktiv, aber mit eingeschränkten Renditechancen.
Was für den Mainstream fehlt
Stablecoins funktionieren technisch. Die Infrastruktur existiert. Was fehlt, ist die Brücke zwischen Krypto-Nativen und dem durchschnittlichen Verbraucher. Ein Händler, der heute Kartenzahlungen akzeptiert, sieht keinen Grund, Stablecoins zu integrieren, solange die Abwicklung komplizierter ist und keine Kostenersparnis bringt.
Ein Konsortium könnte diese Brücke bauen. Wenn Stripe die technische Integration übernimmt, Coinbase die Verwahrung stellt und Visa und Mastercard die Händler-Schnittstellen liefern, entsteht ein System, das ohne Reibung funktioniert. Der Kunde zahlt mit einem Token, der Händler erhält Fiat oder Token, je nach Präferenz. Die Abwicklung läuft über bestehende Terminals, ohne neue Hardware.
Zeitplan unklar, Kartellprüfung sicher
Es könnte Monate dauern, bis mehr bekannt wird , falls das Projekt überhaupt vorankommt. Die beteiligten Unternehmen haben sich nicht geäußert. Kartellbehörden in den USA und der EU werden prüfen, ob ein solches Konsortium den Wettbewerb einschränkt. Eine gemeinsame Plattform von Visa und Mastercard würde eine marktbeherrschende Stellung schaffen, die regulatorische Hürden mit sich bringt.
Die Frage ist nicht, ob Stablecoins Teil des Mainstream-Zahlungsverkehrs werden. Die Frage ist, wer die Infrastruktur kontrolliert. Ein Visa-Mastercard-Konsortium würde die Macht zentralisieren, aber auch die Akzeptanz beschleunigen. Die Alternative ist ein fragmentierter Markt, in dem USDT, USDC und regionale Tokens nebeneinander existieren, ohne dass einer die kritische Masse erreicht. Für Verbraucher wäre die erste Option bequemer. Für den Wettbewerb wäre die zweite gesünder.