Bitcoin-ETFs sammeln 2,4 Milliarden Dollar, der Kurs fällt trotzdem

Bitcoin-ETFs ziehen 2,39 Milliarden Dollar an, BlackRock 1,16 Milliarden. Doch Iran-Spannungen und Ölpreise über 100 Dollar drücken den Kurs auf 83.100 Dollar.

Tobias Reinhardt Märkte

Bitcoin-ETFs ziehen 2,4 Milliarden Dollar an, der Kurs fällt trotzdem

In der Woche bis zum 25. September 2026 flossen 2,39 Milliarden US-Dollar in Bitcoin-ETFs. Das ist der stärkste Wochenzufluss seit Oktober 2025. Allein BlackRocks IBIT sammelte 1,16 Milliarden Dollar ein, fast die Hälfte des Gesamtzuflusses. Trotzdem fiel der Bitcoin-Kurs in derselben Woche auf 83.100 Dollar.

Am Montag lagen die Zuflüsse bei 999 Millionen Dollar, am Freitag nur noch bei 134 Millionen. Die Dynamik ließ nach, aber die Woche drehte die Jahresperformance der ETFs ins Plus.

Geopolitische Spannungen drücken risikofreudige Anlagen

Der Kursrückgang trotz ETF-Zuflüssen hat eine klare Ursache: geopolitische Spannungen zwischen den USA und Iran. Die Straße von Hormuz, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird, steht im Zentrum der Krise. Der Ölpreis stieg über 100 Dollar pro Barrel.

Höhere Ölpreise treiben die Inflation und erhöhen die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank. Das belastet Risikoanlagen wie Bitcoin, weil Anleger in sichere Häfen wie Staatsanleihen oder Gold ausweichen.

Schon Anfang September drückten steigende Ölpreise und Zinsängste den Bitcoin-Kurs unter 78.000 Dollar. Die aktuelle Situation wiederholt dieses Muster auf höherem Niveau.

Institutionelle Käufer zeigen langfristiges Denken

Die ETF-Zuflüsse zeigen, dass institutionelle Anleger Bitcoin weiter akkumulieren. Sie kaufen in Schwächephasen, statt bei Panik zu verkaufen. Institutionelle Anleger verkauften während des 50-Prozent-Absturzes im Frühjahr 2026 praktisch nichts. Diese Käufer denken in Jahren, nicht in Tagen.

BlackRock verwaltet mittlerweile über 30 Milliarden Dollar in seinem Bitcoin-ETF. Fidelity und Grayscale folgen mit jeweils mehr als 10 Milliarden. Die drei größten ETFs halten zusammen mehr als 800.000 Bitcoin.

Zwei Lager kämpfen um die Kursrichtung

Der Markt besteht aus zwei Lagern mit unterschiedlichen Zeithorizonten. Langfristige Käufer nutzen Bitcoin-ETFs, um schrittweise Positionen aufzubauen. Sie kaufen regelmäßig, unabhängig vom aktuellen Kurs. Kurzfristige Trader reagieren auf Schlagzeilen, Makrodaten und technische Signale. Aktuell dominieren die Trader das Geschehen.

Diese Divergenz erklärt, warum ETF-Zuflüsse und Kursbewegungen kurzfristig auseinanderlaufen können. Die Bitcoin-ETFs akkumulieren über Wochen und Monate, während der Spotmarkt täglich auf neue Informationen reagiert.

CoinCodex prognostiziert einen Rückgang auf 82.458 Dollar bis zum 5. Oktober, bevor der Kurs sich im Basisszenario auf 90.000 bis 98.000 Dollar erholt. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario liegt bei 50 Prozent. Im schlechtesten Fall fällt Bitcoin auf 75.000 Dollar zurück.

Die ETF-Zuflüsse der letzten Woche drehten die Jahresbilanz der Fonds ins Plus. Das zeigt, dass die Nachfrage nach Bitcoin als Anlageklasse intakt bleibt, auch wenn der Spotmarkt kurzfristig schwankt.

Fed-Zinsentscheidung und Makrodruck bleiben Gegenwind

Die US-Notenbank erhöhte die Zinsen am 16. September erneut. Höhere Zinsen verteuern Kredite und machen festverzinsliche Anlagen attraktiver als Bitcoin. Der Kurs reagierte mit einem Rückgang auf 83.500 Dollar. Solange die Inflation über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed liegt, bleiben weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich.

Das Zusammenspiel aus geopolitischen Risiken, steigenden Ölpreisen und restriktiver Geldpolitik schafft ein schwieriges Umfeld für Bitcoin. Die Bitcoin-ETFs mildern den Verkaufsdruck, können ihn aber nicht vollständig aufheben. Im September flossen insgesamt über 5 Milliarden Dollar in die ETFs, trotzdem schwankt der Kurs seitwärts.

Solange die Geopolitik angespannt bleibt und die Fed restriktiv agiert, dürfte Bitcoin zwischen ETF-Nachfrage und Makrodruck eingeklemmt bleiben. Die Frage ist, welche Kraft sich mittelfristig durchsetzt: die langsame, stetige Akkumulation durch Institutionen oder die schnelle Flucht aus Risikoanlagen bei jeder neuen Krise.

Für deutsche Anleger spielt auch die Haltefrist nach Paragraph 23 EStG eine Rolle. Wer länger als ein Jahr hält, zahlt keine Steuer auf Gewinne. Das begünstigt langfristige Strategien gegenüber kurzfristigem Trading und macht ETF-Sparpläne steuerlich attraktiv.

Die nächsten Wochen zeigen, ob die Bitcoin-ETFs stark genug sind, um den Kurs gegen makroökonomischen Gegenwind zu stabilisieren. Historisch dauerte es nach großen ETF-Zuflusswellen mehrere Wochen, bis sich die Nachfrage im Kurs niederschlug.

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