Institutionelle Anleger verkauften nichts im 50-Prozent-Crash

Bitwise-Umfrage zeigt: Alle 15 befragten institutionellen Anleger hielten ihre Bitcoin-Position während des 50%-Crashs. Karriererisiko als größte Hürde.

Lena Brandhorst Analyse

Eiserne Hand statt Panikverkauf

Keine einzige der befragten Institutionen hat während des 50-prozentigen Krypto-Crashs zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 ihre Position verkauft. Das zeigt eine Umfrage von Bitwise Asset Management, die Mitte September 2026 veröffentlicht wurde. Von 15 großen institutionellen Anlegern behielten alle ihre Krypto-Allokation bei oder erhöhten sie sogar. Institutionelle Anleger zeigten damit eine Standhaftigkeit, die in dieser Form neu ist.

Das Ergebnis steht im krassen Gegensatz zum Verhalten von Privatanlegern. Während Retailinvestoren in derselben Phase in großem Umfang verkauften, hielten institutionelle Anleger ihre Positionen. Die Umfrage umfasst Pensionsfonds, Stiftungen, Family Offices und einen staatlichen Vermögensfonds. Die Stichprobe ist klein, aber aussagekräftig: Diese institutionelle Anleger verwalten zusammen mehrere Milliarden Dollar an Vermögen.

Bitcoin dominiert die Portfolios

Alle befragten Institutionen halten Bitcoin als ihre primäre und am längsten gehaltene Position. Bei Anlegern, die nach Marktkapitalisierung gewichten, macht Bitcoin etwa 80 Prozent der gesamten Krypto-Allokation aus. Ethereum und Solana werden in kleineren Positionen gehalten, oft mit expliziten Ausstiegskriterien.

Die Allokationen reichen von 0,5 bis 13 Prozent des investierbaren Vermögens. Die Mehrheit liegt zwischen ein und zwei Prozent. Das erscheint gering, entspricht aber der üblichen Risikostreuung bei alternativen Anlagen. Zum Vergleich: Auch Gold-Allokationen bewegen sich in institutionellen Portfolios typischerweise zwischen ein und drei Prozent. Während Gold zuletzt neue Höchststände erreichte, blieb Bitcoin volatiler.

Gold wird teilweise ersetzt

Besonders bemerkenswert ist die Aussage eines staatlichen Vermögensfonds. Dieser finanzierte seine Krypto-Allokation teilweise durch die Reduzierung von Fremdwährungs- und Goldreserven. Bitcoin wird hier explizit als Wertspeicher neben Gold positioniert.

Diese Entwicklung deutet auf eine strategische Neuausrichtung hin. Institutionen betrachten Bitcoin nicht mehr als reine Spekulation, sondern als langfristigen Vermögenswert. Die Tatsache, dass ein staatlicher Fonds Gold reduziert, um Bitcoin zu kaufen, wäre vor wenigen Jahren undenkbar gewesen.

Karriererisiko als größte Hürde

Die Umfrage identifiziert Karriererisiko und Governance-Probleme als Haupthindernisse für Krypto-Investments. Es geht nicht um die Frage, ob Bitcoin ein geeignetes Investment ist. Es geht darum, wer die Verantwortung übernimmt, wenn der Kurs einbricht.

In öffentlich sichtbaren Fonds wie Pensionskassen ist dieses Risiko besonders hoch. Ein Fondsmanager, der Bitcoin kauft und damit Verluste erleidet, riskiert seine Karriere. Ein Fondsmanager, der Bitcoin nicht kauft und eine Rallye verpasst, wird seltener zur Rechenschaft gezogen. Diese Asymmetrie verlangsamt die Adoption erheblich.

Hinzu kommen institutionelle Hürden. Viele Anlageausschüsse haben noch keine Klassifizierung für Krypto-Assets entwickelt. Ist Bitcoin eine Währung, ein Rohstoff oder eine Technologie-Anlage? Solange diese Frage ungeklärt ist, können viele Institutionen nicht investieren, selbst wenn sie wollen.

Institutionelle Anleger verkaufen nicht wegen des Preises

Kein einziger befragter Investor nannte den Preis als möglichen Verkaufsgrund. Die genannten Ausstiegskriterien waren stattdessen: das Scheitern der ursprünglichen Investmentthese, eine regulatorische Kehrtwende oder eine branchenweite Vertrauenskrise.

Das unterscheidet institutionelle Anleger von privaten Anlegern fundamental. Retailinvestoren verkaufen häufig bei fallenden Kursen aus Angst vor weiteren Verlusten. Institutionelle Anleger verkaufen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Ein Kursrückgang allein ist kein Grund zum Verkauf, solange die langfristige These intakt bleibt.

Diese Disziplin erklärt auch, warum institutionelle Anleger während des Crashs nicht verkauften. Der Kurs fiel, aber die Gründe für das Investment blieben bestehen. Bitcoin funktionierte weiterhin als dezentrales Netzwerk. Es gab keine regulatorische Katastrophe. Die These war intakt.

ETFs als bevorzugter Zugang

Nahezu alle befragten Institutionen nutzen oder planen die Nutzung von Spot-ETFs. Der Grund ist einfach: ETFs passen in bestehende Verwahrungs- und Reporting-Strukturen. Eine Institution kann Bitcoin-ETFs über ihren gewohnten Broker kaufen und in ihrem üblichen Depot verwahren.

Selbstverwahrung ist für die meisten Institutionen keine Option. Die technischen und regulatorischen Anforderungen sind zu hoch. Ein Pensionsfonds kann keine eigenen Private Keys verwalten. Ein ETF löst dieses Problem, indem er die Verwahrung an spezialisierte Anbieter auslagert. Einige neuere Produkte bieten sogar Staking-Funktionen, die für europäische Anleger jedoch regulatorisch problematisch sind.

Für europäische Institutionen stehen allerdings weniger ETF-Optionen zur Verfügung. Die MiCA-Regulierung erlaubt zwar Krypto-ETPs, diese sind aber strukturell anders aufgebaut als US-Spot-ETFs. Deutsche Anleger nutzen daher häufig ETPs auf Xetra oder greifen auf spezialisierte Verwahrungslösungen zurück.

Grenzen der Umfrage

Die Studie hat klare Einschränkungen. Mit nur 15 Befragten ist die Stichprobe klein. Bitwise selbst ist ETF-Anbieter und hat ein kommerzielles Interesse daran, institutionelle Krypto-Adoption positiv darzustellen. Die Ergebnisse könnten verzerrt sein.

Zudem wurden möglicherweise nur Institutionen befragt, die bereits in Krypto investiert sind. Wer nie investiert hat, erscheint in dieser Statistik nicht. Die Umfrage zeigt also, wie sich bestehende Krypto-Investoren verhalten, nicht wie die gesamte institutionelle Landschaft denkt.

Trotzdem ist das Signal eindeutig: Jene Institutionen, die bereits investiert sind, zeigen keine Anzeichen von Panik. Sie halten ihre Positionen auch bei starken Kursrückgängen. Das ist ein Unterschied zu früheren Zyklen, in denen auch institutionelle Anleger bei 30-Prozent-Korrekturen ausgestiegen sind.

Was das für den Markt bedeutet

Die Tatsache, dass institutionelle Anleger nicht verkaufen, stabilisiert den Markt. Wenn große Player ihre Positionen halten, reduziert das den Verkaufsdruck. Der Kurs fällt weniger stark, als er fallen würde, wenn alle gleichzeitig verkauften.

Gleichzeitig verlangsamt die institutionelle Vorsicht die Adoption. Karriererisiken und Governance-Hürden halten viele Institutionen davon ab, überhaupt erst einzusteigen. Das begrenzt die Nachfrage und verhindert schnellere Kursanstiege.

Langfristig könnte sich das Bild ändern. Sobald mehr Institutionen eine formale Klassifizierung für Bitcoin entwickelt haben und erste Erfolgsgeschichten sichtbar werden, dürfte die Adoption beschleunigen. Bis dahin bleibt der Markt zweigeteilt: Wer bereits investiert ist, hält. Wer noch nicht investiert ist, zögert.

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