Vor genau einem Jahr, am 10. Oktober 2025, brach der Kryptomarkt zusammen. Bitcoin fiel auf 106.560 Dollar, Ethereum auf 3.551 Dollar, Solana auf 174 Dollar. Innerhalb von 24 Stunden wurden gehebelte Positionen im Wert von 19 Milliarden Dollar liquidiert, das größte Liquidierungs-Ereignis in der Geschichte des Kryptomarkts. Der Auslöser war ein Makro-Schock: Eine Zolldrohung von Trump gegen China schickte Risiko-Assets auf Talfahrt.
Ein Jahr später hat sich der Bitcoin-Hebel wieder aufgebaut. Die offenen Positionen bei Bitcoin-Futures sind in den letzten sieben Tagen um 4 Prozent auf 650.480 BTC gestiegen. Das Open Interest als Anteil der Marktkapitalisierung liegt bei 3,20 Prozent, verglichen mit 3,70 Prozent vor dem Crash 2025. Bei Ethereum steht der Wert bei 10,40 Prozent, gegenüber 11,30 Prozent damals. Der Bitcoin-Hebel ist zurück, aber noch nicht auf dem Niveau von vor einem Jahr.
Funding Rates zeigen weniger Überhitzung
Ein entscheidender Unterschied liegt in den Funding Rates. Vor dem Crash vom 10. Oktober 2025 lagen die annualisierten Raten an 18 von 32 Börsen-Tagen über 8 Prozent. Im Vergleichszeitraum 2026 überschritten sie diesen Wert nur einmal in 28 Beobachtungen und wurden dreimal negativ. Das deutet darauf hin, dass der Markt weniger aggressiv gehebelt ist als vor einem Jahr.
Die Leverage Ratio bei Bitcoin ist laut Coinbase Institutional im vierten Monat in Folge gefallen und hat den niedrigsten Stand seit August 2024 erreicht. Das bedeutet, dass Trader weniger Fremdkapital einsetzen als in den Monaten vor dem Crash. Gleichzeitig flossen im September 2,6 Milliarden Dollar in US-Bitcoin-ETFs und 900 Millionen Dollar in Ethereum-ETFs. Das institutionelle Kapital zeigt Nachfrage, aber ohne die extreme Spekulation von vor einem Jahr.
Altcoin-Hebel könnte das größere Risiko sein
Während Bitcoin und Ethereum kontrollierter wirken, hat sich bei Altcoins die Lage verschärft. Die Altcoin-Open-Interest-Dominanz lag im September im Durchschnitt bei 0,86, verglichen mit 0,71 im August. Die durchschnittliche Marktkapitalisierung von Altcoins stieg im Monatsvergleich um 22 Prozent. Das deutet darauf hin, dass spekulative Positionen in kleinere Token abgewandert sind.
Am 7. Oktober 2026 wurden binnen einer Stunde Long-Positionen im Wert von 403,58 Millionen Dollar liquidiert, als Bitcoin in Richtung 84.100 Dollar fiel. Das ist weit entfernt von den 19 Milliarden Dollar vor einem Jahr, zeigt aber, dass der Markt anfällig bleibt. An diesem Tag lag Brent-Öl über 100 Dollar, die US-Zehnjahresrendite erreichte 5,284 Prozent und der Dollar-Index stieg auf 102,24 , alles Faktoren, die Krypto unter Druck setzen.
ETF-Nachfrage als Stabilisator
Ein Jahr nach dem Crash ist die Marktstruktur anders. Die Liquidität in den Orderbüchern ist besser, Market Maker sind aktiv geblieben. Im Oktober 2025 zogen sie sich stark zurück, was den Absturz verstärkte. Ethenas USDe handelte kurzzeitig bei 0,65 Dollar auf Binance, ein Zeichen für Panik, die dieses Mal ausgeblieben ist. Bitcoin-ETFs drehten Anfang Oktober ins Plus, was die Stimmung stabilisierte.
Die ETF-Zuflüsse wirken als Gegengewicht zu spekulativen Exzessen. Institutionelle Käufer bauen langfristige Positionen auf, während Retail-Trader auf Futures setzen. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit eines erneuten 19-Milliarden-Liquidierungs-Events. Solange die Funding Rates niedrig bleiben und die Leverage Ratio nicht anzieht, ist der Markt weniger anfällig als vor einem Jahr.
Sind die Signale diesmal anders?
Die Analyse zeigt: Der Hebel ist zurück, aber in gemäßigterer Form. Die Funding Rates sind kühler, die ETF-Nachfrage stützt, und die Open-Interest-Relationen liegen unter den Werten von vor einem Jahr. Das größte Risiko liegt bei Altcoins, wo sich spekulative Positionen konzentrieren.
Ein zweiter 10. Oktober ist nicht unmöglich, aber die aktuellen Daten deuten nicht darauf hin. Sollte ein externer Schock kommen , geopolitische Eskalation, eine überraschende Zinserhöhung oder ein Derivate-Unfall , könnte der Markt wieder kippen. Doch ohne solchen Katalysator bleibt die Lage kontrollierter als im Oktober 2025. Die Liquidierungs-Schwelle liegt höher, die Panik-Anfälligkeit niedriger. Das heißt nicht, dass der Markt sicher ist. Es heißt nur, dass die Exzesse von vor einem Jahr sich noch nicht wiederholt haben.