Bitmine hält 4,9 Prozent aller Ethereum-Token

Bitmine besitzt 6 Millionen ETH, 84 Prozent davon gestaked. Das sind 4,9 Prozent des gesamten Ethereum-Angebots. Was diese Konzentration für das Netzwerk bedeutet.

Tobias Reinhardt Märkte

6 Millionen ETH in einer Hand

Bitmine Immersion Technologies hält zum 5. Oktober 2026 insgesamt 6.016.414 ETH. Das entspricht 4,9 Prozent des gesamten Ethereum-Angebots von 122,1 Millionen Token. Die Firma steht damit kurz vor ihrer selbst gesteckten 5-Prozent-Marke. Der Marktwert der Bestände liegt bei 16,4 Milliarden Dollar, gerechnet zu einem ETH-Kurs von 2.726 Dollar.

Von den 6 Millionen Token sind 5.067.309 ETH gestaked, was 84 Prozent der Gesamtbestände ausmacht. Der gestakte Anteil ist 13,8 Milliarden Dollar wert. Bei einer Staking-Rendite von 2,63 Prozent würde dieser Bestand etwa 363 Millionen Dollar pro Jahr einbringen. Würde Bitmine alle 6 Millionen ETH staken, läge der jährliche Ertrag bei 431 Millionen Dollar.

Jede Woche nachgekauft seit Juni 2025

Tom Lee, Analyst bei Bitmine, erklärte am 5. Oktober: 'Bitmine hat seit dem Start der ETH Treasury Strategy am 30. Juni 2025 jede einzelne Woche ETH gekauft.' Die Firma verfolgt eine aggressive Akkumulationsstrategie, ähnlich wie sie MicroStrategy bei Bitcoin anwendet. Im dritten Quartal 2026 hat Ethereum laut Lee den S&P 500 um 6.832 Basispunkte übertroffen. Diese Zahl stammt aus Bitmines eigener Bewertung und wurde nicht unabhängig geprüft.

Anfang Oktober kaufte Bitmine weitere 15.112 ETH und erhöhte damit die Staking-Quote auf 84 Prozent. Die Käufe erfolgen unabhängig vom aktuellen Kurs. Die Strategie lautet: akkumulieren, staken, halten. Das Unternehmen gibt keine Verkaufssignale.

Was 5 Prozent Konzentration bedeuten

Wenn ein einziges Unternehmen 5 Prozent des gesamten Ethereum-Angebots kontrolliert, entstehen neue Risiken. Erstens: Liquiditätsdruck. Sollte Bitmine jemals verkaufen müssen, würde der Markt einen großen Angebotsschub erleben. Zweitens: Governance-Einfluss. Bei protokollrelevanten Abstimmungen könnte ein 5-Prozent-Inhaber erhebliches Gewicht haben, insbesondere wenn der Rest der Token über Millionen Wallets verstreut ist.

Drittens: Staking-Dominanz. 84 Prozent von 5 Prozent bedeuten 4,2 Prozent aller ETH sind von einem Akteur gestaked. Das reduziert das frei handelbare Angebot weiter und könnte die Volatilität erhöhen, sobald gestakte Token entsperrt werden. Staking und ETFs haben das verfügbare Angebot bereits schrumpfen lassen. Bitmine verschärft diesen Trend.

Vergleich mit MicroStrategy und Bitcoin

MicroStrategy hält etwa 1,5 Prozent aller jemals geschürften Bitcoin. Bitmine hat bei Ethereum mit 4,9 Prozent einen mehr als dreifach höheren Anteil erreicht. Der Unterschied liegt im Timing: Bitcoin ist 2026 ein etabliertes Asset mit breiter institutioneller Streuung. Ethereum dagegen befindet sich noch in der Übergangsphase zwischen Proof-of-Work-Erbe und vollständigem Proof-of-Stake-System. Ein großer Akkumulator kann in dieser Phase schneller Marktmacht aufbauen.

Der Vorteil für Bitmine ist das passive Einkommen durch Staking. Bitcoin bietet das nicht. Die 363 Millionen Dollar jährliche Staking-Rendite sind ein struktureller Vorteil gegenüber reinen Haltern. Allerdings ist Ethereum auch anfälliger für Protokolländerungen, die Staking-Belohnungen reduzieren oder umverteilen könnten.

Layer-2-Dilemma schwächt ETH-Nachfrage

Parallel zur Bitmine-Akkumulation hat Ethereum ein strukturelles Problem: Die Gebühren sind um 88 Prozent gefallen, weil Layer-2-Netzwerke den Großteil der Transaktionen abwickeln. Weniger Gebühren bedeuten weniger ETH wird verbrannt. Das reduziert den deflationären Druck, der ETH nach dem Merge knapp halten sollte.

Bitmine kauft in einem Markt, in dem das Angebot durch Staking sinkt, die Nachfrage durch Layer 2 aber gedämpft wird. Die Wette lautet: Staking-Rendite und Angebotsverknappung schlagen die schwache Gebührennachfrage. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich in den nächsten Quartalen zeigen. Bis dahin wächst die Konzentration weiter.

Risiko für das Netzwerk

Ein 5-Prozent-Inhaber ist kein systemisches Risiko, solange er nicht verkauft oder seine gestakten Token für Angriffe missbraucht. Doch die Psychologie zählt: Wenn Bitmine in eine Schieflage gerät und ETH abstoßen muss, könnte allein die Ankündigung den Kurs drücken. Kleinanleger würden vorsorglich verkaufen, bevor die großen Blöcke den Markt treffen. Das Vertrauen in Ethereum als dezentrales Netzwerk leidet, wenn ein börsennotiertes Unternehmen zum größten Einzelakteur wird.

Bitmines Strategie ist transparent und legal. Die Konzentration ist dennoch real. Ethereum wurde gebaut, um Macht zu verteilen, nicht zu zentralisieren. Mit 4,9 Prozent steht Bitmine an einer Grenze, die das Netzwerk bisher nicht kannte.

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