BitMine wird den Kauf von Ethereum einstellen, sobald das Unternehmen fünf Prozent des gesamten ETH-Angebots hält. CEO Tom Lee kündigte diese Obergrenze am 7. Oktober 2026 auf der Token2049-Konferenz in Singapur an. BitMine steht derzeit bei 4,9 Prozent und hat noch rund 76.000 Ethereum zu kaufen. Mit über sechs Millionen ETH im Bestand, im Wert von etwa 15,1 Milliarden Dollar bei einem Kurs von 2.500 Dollar, ist BitMine der größte institutionelle Ethereum-Halter.
Über fünf Millionen dieser ETH sind gestakt, was dem Unternehmen laufende Erträge aus Staking-Belohnungen einbringt. Bei einer jährlichen Rendite von etwa 3,5 Prozent verdient BitMine rund 210.000 ETH pro Jahr an Belohnungen.
Warum die Fünf-Prozent-Grenze
Lee nannte die Fünf-Prozent-Marke eine harte Obergrenze. Ab fünf Prozent Anteil könnte BitMine als systemisches Risiko für das Ethereum-Netzwerk gelten. Im Proof-of-Stake-Konsens von Ethereum hängt die Netzwerksicherheit von der Verteilung des gestakten Ethers ab. Ein Akteur, der fünf Prozent kontrolliert, hat erheblichen Einfluss auf Validierungs-Entscheidungen.
Regulatorisch könnte ein Anteil über fünf Prozent Meldepflichten oder verschärfte Aufsicht auslösen. In den USA gibt es keine direkte Regelung für Krypto-Konzentrationen, aber die SEC hat in der Vergangenheit bei großen Wertpapierbeständen eingegriffen. Ob Ethereum als Wertpapier gilt, bleibt juristisch umstritten.
Der Kaufverlauf von BitMine
BitMine kaufte im September und Oktober 2026 aggressiv Ethereum. Am 6. Oktober erwarb das Unternehmen 12.532 ETH für etwa 32 Millionen Dollar. Insgesamt kaufte BitMine seit Jahresbeginn über 2,5 Millionen ETH. Die Käufe erfolgten überwiegend über OTC-Märkte, nicht über öffentliche Börsen. OTC-Käufe vermeiden Preisverzerrungen, die große Marktorders auslösen würden.
BitMine finanziert seine Käufe durch Aktienemissionen und Fremdkapital. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt bei rund 25 Milliarden Dollar, was einem Aufschlag von 65 Prozent auf den Nettoinventarwert seiner ETH-Bestände entspricht. Investoren zahlen also eine Prämie, um indirekt über die BitMine-Aktie in Ethereum zu investieren.
Vergleich zu anderen institutionellen Haltern
Lido, der größte Ethereum-Staking-Anbieter, kontrolliert etwa 28 Prozent des gestakten Ethers. Das sind rund 12,2 Millionen ETH. Allerdings besitzt Lido diese ETH nicht direkt, sondern hält sie treuhänderisch für Nutzer. Coinbase verwaltet etwa 15 Prozent des gestakten Ethers, ebenfalls als Kundengelder. BitMine unterscheidet sich, weil das Unternehmen die ETH selbst hält, nicht für Dritte.
Die Ethereum Foundation hält weniger als ein Prozent des gesamten ETH-Angebots. Diese bewusste Zurückhaltung soll Zentralisierungsrisiken vermeiden. BitMines Fünf-Prozent-Anteil übertrifft die Foundation um ein Vielfaches.
Deutsche und europäische Perspektive
In Deutschland und der EU unterliegen institutionelle Krypto-Halter seit Juli 2026 der MiCA-Regulierung. BitMine hat keine Niederlassung in der EU und benötigt daher keine MiCA-Lizenz. Allerdings können europäische Anleger BitMine-Aktien kaufen, die an der Nasdaq gehandelt werden.
Deutsche Anleger, die über BitMine-Aktien indirekt in Ethereum investieren, sollten sich der steuerlichen Behandlung bewusst sein. Aktiengewinne unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Im Gegensatz dazu sind direkte Ethereum-Käufe nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei, gemäß Paragraf 23 EStG.
Auswirkungen auf Ethereum-Staking
BitMine staket über fünf Millionen ETH, was etwa 11,5 Prozent aller gestakten ETH entspricht. Diese ETH sind in Tausenden von Validatoren aufgeteilt. Jeder Validator hält maximal 32 ETH unter den alten Regeln, oder bis zu 2.048 ETH nach dem Pectra-Upgrade. Sollte BitMine seine verbleibenden 76.000 ETH ebenfalls staken, würde der Anteil auf etwa 12 Prozent steigen.
Die Konzentration von Staking-Macht ist ein bekanntes Problem in Ethereum. Die Ethereum Foundation hat wiederholt vor den Risiken gewarnt, ohne jedoch verbindliche Obergrenzen einzuführen. Die Community diskutiert seit Jahren über technische Maßnahmen, um Staking-Konzentration zu begrenzen, aber es gibt keine Einigung.
Was passiert nach der Fünf-Prozent-Marke
Lee sagte, BitMine werde nach Erreichen der Obergrenze keine weiteren ETH kaufen. Das Unternehmen plant jedoch nicht, bestehende Bestände zu verkaufen. Staking-Belohnungen laufen weiter und erhöhen den Bestand, ohne dass zusätzliche Käufe nötig sind. Wenn BitMine diese Belohnungen reinvestiert, würde der Anteil am Gesamtangebot langsam weiter steigen, auch ohne neue Käufe.
Allerdings wächst das Gesamtangebot von Ethereum nicht mehr stark. Nach dem Merge und der Einführung von EIP-1559 ist Ethereum oft deflationär. In Phasen hoher Netzwerkaktivität werden mehr ETH verbrannt als durch Staking ausgegeben. Das begrenzt das Angebotswachstum und lässt BitMines Anteil relativ stabil bleiben.
Für den Ethereum-Markt bedeutet das Ende der BitMine-Käufe das Wegfallen einer wichtigen Nachfragequelle. Analysten schätzen, dass BitMine im Jahr 2026 etwa acht Prozent der täglichen ETH-Handelsvolumens aufgesogen hat. Ohne diese Nachfrage könnte der Kurs kurzfristig unter Druck geraten, es sei denn, andere institutionelle Käufer übernehmen. BitMine wird die Fünf-Prozent-Marke voraussichtlich im November 2026 erreichen.