Clarity Act vor der Abstimmung: die USA holen bei MiCA auf

Der Clarity Act steht im US-Senat vor einer Abstimmung am 15. September. Was das Gesetz zur Krypto-Aufsicht regelt und warum die EU mit MiCA voraus ist.

Tobias Reinhardt Nachrichten

In den USA steht mit dem Clarity Act das wichtigste Krypto-Gesetz seit Jahren vor einer Weichenstellung. Für den 15. September 2026 ist im Senat eine Verfahrensabstimmung angesetzt. Während Europa mit MiCA längst einen einheitlichen Rechtsrahmen hat, ringt Washington noch um die Grundfrage, welche Behörde für digitale Vermögenswerte zuständig ist. Der Ausgang betrifft auch europäische Anleger, weil er über die Regeln des größten Kryptomarkts der Welt entscheidet.

Was das Gesetz regeln soll

Der Digital Asset Market Clarity Act teilt die Aufsicht zwischen zwei Behörden auf. Die Wertpapieraufsicht SEC soll für Token zuständig bleiben, die als Wertpapiere gelten, während die Terminmarktaufsicht CFTC die Aufsicht über digitale Rohstoffe wie Bitcoin übernimmt. Genau diese Abgrenzung fehlt bislang und hat in den vergangenen Jahren zu einer Reihe von Gerichtsverfahren geführt. Das Repräsentantenhaus hatte den Entwurf bereits am 17. Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen angenommen.

Der Fahrplan im Senat

Im Senat kommt der Clarity Act langsamer voran. Der Bankenausschuss brachte den Entwurf am 14. Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen weiter, zwei Tage nach der Veröffentlichung eines überarbeiteten Textes von 309 Seiten. Mehrheitsführer John Thune stellte am 8. August den Antrag auf Beratung. Für die eigentliche Verfahrensabstimmung braucht es 60 Stimmen, um eine Blockade zu überwinden, was rund zehn Stimmen aus dem demokratischen Lager voraussetzt. Umstritten sind vor allem Ethikregeln für Amtsträger, die Behandlung von Erträgen auf Stablecoins und Vorgaben gegen illegale Finanzströme.

Bis zur Zwischenwahlpause bleiben dem Senat nur etwa drei Sitzungswochen. Gelingt in diesem Fenster kein Durchbruch, könnte sich das Vorhaben erneut verschieben. Wie sich die US-Aufsicht bereits jetzt neu ordnet, zeigt unsere Einordnung dazu, wie die SEC die Krypto-Regulierung neu ordnet.

Europa ist schon weiter

Der Kontrast zur EU ist deutlich. Dort gilt die Verordnung MiCA bereits, und die Aufsicht vergibt Lizenzen nach einem einheitlichen Standard. Allein die BaFin hat unter MiCA mehrere Anbieter zugelassen, wie unser Bericht zeigt, wonach die BaFin unter MiCA 79 Anbieter lizenziert. Ein US-Rahmen würde die Regeln beider Wirtschaftsräume ein Stück weit angleichen und Produkten den Weg über den Atlantik erleichtern.

Für den deutschsprachigen Markt bleibt der Zugang zu US-Produkten dennoch eingeschränkt. Warum das so ist, erklärt unsere Analyse, warum es in Deutschland keinen Krypto-ETF wie in den USA gibt. Der 15. September wird zeigen, ob die USA beim Regelwerk endlich aufschließen.

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