USA zieht Krypto-Überwachung zurück - MiCA setzt auf anderen Ansatz

US-Finanzministerium zieht geplante Wallet-Überwachung zurück. Während Europa mit MiCA klare Regeln schafft, herrscht in den USA weiter Unsicherheit.

Tobias Reinhardt Nachrichten

USA zieht Krypto-Überwachung zurück - MiCA setzt auf anderen Ansatz

Das US-Finanzministerium hat am 5. Oktober 2026 zwei umstrittene Vorschläge zur Krypto-Regulierung zurückgezogen. Die Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) nahm einen Entwurf aus dem Jahr 2020 zur Überwachung von Self-Custody-Wallets und einen zweiten aus dem Jahr 2023 zu Krypto-Mixern vom Tisch. Beide Vorschläge waren nie in Kraft getreten, doch ihre Rücknahme markiert einen Kurswechsel in der amerikanischen Krypto-Regulierung.

Der erste Vorschlag hätte Banken und Zahlungsdienstleister gezwungen, bei Transaktionen über 3.000 Dollar mit Self-Custody-Wallets Kundendaten zu sammeln. Ab 10.000 Dollar wären Meldungen an FinCEN fällig gewesen, inklusive Informationen über den Empfänger. Das hätte bedeutet, dass regulierte Institutionen Personen identifizieren müssten, zu denen sie keine Geschäftsbeziehung haben. Kritiker hatten diese Anforderung als technisch schwer umsetzbar und datenschutzrechtlich problematisch eingestuft.

Der zweite Vorschlag hätte Krypto-Mixer als Geldwäsche-Risiko klassifiziert. Die Definition war extrem weit gefasst und umfasste das Zusammenlegen von Geldern, das Aufteilen von Transaktionen, Einweg-Wallets, Krypto-Swaps und sogar Verzögerungen bei Transaktionen. Banken hätten verschärfte Aufzeichnungspflichten erfüllen müssen. Die Definition war so breit, dass selbst normale DeFi-Protokolle unter die Regel hätten fallen können.

Politischer Kurswechsel nach jahrelanger Kritik

FinCEN begründete den Rückzug damit, dass die Vorschläge legitime Aktivitäten einschränken und erhebliche Compliance-Kosten verursachen könnten. Ein Bericht der Presidential Working Group vom Juli 2025 hatte bereits anerkannt, dass auch rechtmäßige Nutzer Transaktionsdatenschutz auf öffentlichen Blockchains benötigen. Der Bericht stellte fest, dass Mixer legitime Zwecke erfüllen können, etwa um Geschäftsgeheimnisse zu schützen oder Spenden anonym zu halten.

Die Rücknahme zeigt einen deutlichen Strategiewechsel der US-Behörden bei der Krypto-Regulierung. Während die EU mit der MiCA-Verordnung seit 2024 einen klaren Regulierungsrahmen geschaffen hat, setzten die USA bislang auf punktuelle Vorschläge einzelner Behörden. Der gescheiterte Clarity Act, der im September 2026 im Senat scheiterte, sollte eine einheitliche Krypto-Gesetzgebung schaffen. Sein Scheitern hinterlässt eine Lücke im amerikanischen Regelwerk.

Für deutsche Anleger bleibt die Situation übersichtlicher. Seit MiCA müssen Krypto-Dienstleister eine Lizenz vorweisen. Die BaFin hat bis August 2026 insgesamt 79 Anbieter lizenziert, weitere 171 kommen über das Passporting-Verfahren aus anderen EU-Ländern. Self-Custody-Wallets unterliegen in der EU keiner Meldepflicht, solange keine Dienstleister eingebunden sind. Das ist ein klarer Unterschied zu den gescheiterten US-Plänen.

Unterschiedliche Ansätze bei Datenschutz und Überwachung

Die zurückgezogenen US-Vorschläge zur Krypto-Regulierung hätten deutlich tiefer in die Privatsphäre eingegriffen als die europäische Regulierung. MiCA verpflichtet Börsen und Wallet-Anbieter zu Know-Your-Customer-Prüfungen, verlangt aber keine Überwachung der Gegenseite bei Transaktionen. Die Travel Rule gilt in der EU ab 1.000 Euro, nicht bereits ab 3.000 Dollar wie in den USA geplant. Zudem müssen nur regulierte Dienstleister die Regel umsetzen, nicht die Nutzer selbst.

Die USA haben nun eine Lücke im Regelwerk. Bestehende Bank Secrecy Act-Pflichten und Anti-Geldwäsche-Vorschriften bleiben in Kraft, doch die geplante Ausweitung auf Self-Custody und Mixer ist vom Tisch. Die Securities and Exchange Commission und die Commodity Futures Trading Commission arbeiten an einem gemeinsamen Regulierungsvorschlag, der frühestens 2027 kommen soll. Bis dahin herrscht Unsicherheit über die künftige Richtung der amerikanischen Krypto-Regulierung.

Deutsche Anleger können weiterhin Self-Custody-Wallets nutzen, ohne Meldepflichten zu befürchten. Die steuerliche Haltefrist von einem Jahr nach Paragraf 23 EStG gilt bis Ende 2026, danach droht eine Reform. Das Bundesfinanzministerium plant, Käufe ab 2027 grundsätzlich steuerpflichtig zu machen, unabhängig von der Haltedauer. Diese Reform wäre eine der größten Änderungen bei der Krypto-Besteuerung seit Jahren.

Europäische Regulierung als Vorbild für andere Märkte

Die MiCA-Verordnung gilt inzwischen als Vorbild für andere Märkte. Mehrere asiatische Länder haben ähnliche Regelwerke angekündigt. Die klaren Vorgaben schaffen Rechtssicherheit für Anleger und Unternehmen. In den USA dagegen bleibt die Krypto-Regulierung fragmentiert. Die SEC stuft die meisten Token als Wertpapiere ein, die CFTC behandelt Bitcoin und Ether als Rohstoffe. Dieser Flickenteppich erschwert Unternehmen die Planung und Anleger die Orientierung.

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