Solana-ETFs sammeln in 12 Wochen 1,4 Milliarden Dollar ein
US-Solana-ETFs haben zum 19. September 2026 die zwölfte Woche in Folge Nettozuflüsse verzeichnet und dabei insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar eingesammelt. In derselben Woche meldeten Bitcoin-ETFs die geringsten Zuflüsse seit ihrer Einführung im Januar 2024. Diese Divergenz markiert eine Verschiebung im institutionellen Interesse, weg von reinen Wertspeicher-Assets hin zu ertragsgenerierenden Krypto-Produkten.
Die Solana-Fonds von Bitwise, Grayscale und VanEck bieten eine integrierte Staking-Funktion, die Anlegern zwischen 4,5 und 7 Prozent Jahresrendite beschert. Bitcoin-ETFs zahlen naturgemäß keine Zinsen. In einem Umfeld steigender Leitzinsen macht dieser Unterschied den Ausschlag. Der Staking-ETF-Boom erreicht allerdings deutsche Anleger nicht. Ein institutioneller Investor, der 10 Millionen Dollar allokiert, verdient mit einem Solana-ETF jährlich bis zu 700.000 Dollar zusätzlich, ohne das Produkt zu verkaufen.
Die Staking-Rendite als Wettbewerbsvorteil
Der Bitwise Solana Staking ETF führt die Gruppe mit einer annualisierten Staking-Rendite von 6,8 Prozent an. VanEck liegt bei 5,2 Prozent, Grayscale bei 4,9 Prozent. Die Unterschiede ergeben sich aus den Gebühren, die jeder Anbieter einbehält, und der Wahl der Validatoren. Bitwise delegiert an eine breitere Gruppe von Validatoren und erzielt dadurch höhere durchschnittliche Rewards.
Ethereum-ETFs bieten in den USA kein Staking an, weil die SEC Staking als möglichen Wertpapiervorgang einstuft. Bei Solana hat die Behörde diese Bedenken bislang nicht geäußert, vermutlich weil Solana im Gegensatz zu Ethereum nach dem Proof-of-Stake-Wechsel nicht als dezentral genug gilt, um unter die Howey-Test-Kriterien zu fallen. Diese rechtliche Grauzone nutzen die Emittenten.
Für Anleger in Deutschland sind diese ETFs nicht direkt erwerbbar. Die Produkte sind in den USA registriert und dürfen nicht an europäische Privatanleger vertrieben werden. Deutsche Investoren können über US-Broker auf die Fonds zugreifen, müssen dann aber steuerliche Komplikationen in Kauf nehmen. Eine Staking-Rendite aus einem ausländischen ETF wird vom Finanzamt als Kapitaleinkünfte behandelt, die Abgeltungssteuer fällt sofort an.
Bitcoin-ETFs verlieren an Schwung
In der Woche vom 16. bis 20. September verzeichneten Bitcoin-Spot-ETFs Nettozuflüsse von lediglich 48 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Im März 2026 lagen die wöchentlichen Inflows bei über 800 Millionen Dollar. Die Abschwächung hat mehrere Gründe. Erstens ist der Neuigkeitswert verflogen. Die Produkte sind seit Januar 2024 auf dem Markt, frühe Adopter haben ihre Positionen längst aufgebaut.
Zweitens macht die Fed-Zinspolitik zinslose Assets weniger attraktiv. Bei einem Leitzins von 5,5 Prozent können Anleger risikofreie Renditen durch US-Staatsanleihen erzielen. Bitcoin bietet das nicht. Drittens haben einige große institutionelle Käufer ihre Zielallokation erreicht. Daten von Bloomberg zeigen, dass die durchschnittliche Bitcoin-Allokation bei US-Pensionsfonds, die überhaupt in Krypto investieren, bei 1,2 Prozent liegt. Das ist nah an den selbst gesetzten Obergrenzen von meist 1,5 Prozent.
Warum Solana die Aufmerksamkeit hält
Solana profitiert von mehreren Trends. Die Blockchain ist zur bevorzugten Plattform für Memecoins geworden, was das Transaktionsvolumen in die Höhe treibt. Laut Daten von Artemis verarbeitet Solana täglich über 3 Millionen Transaktionen, deutlich mehr als Ethereum mit 1,1 Millionen. Höhere Nutzung bedeutet höhere Netzwerkgebühren, die teilweise an Staker ausgeschüttet werden.
Zudem hat Solana technische Fortschritte gemacht. Die Netzwerkstabilität, die 2022 und 2023 ein Problem war, hat sich verbessert. Seit April 2026 gab es keinen vollständigen Netzwerkausfall mehr. Das stärkt das Vertrauen institutioneller Investoren, die Ausfallrisiken streng bewerten. Die technische Entwicklung von Solana überzeugt zunehmend auch konservative Investoren.
Ein dritter Faktor ist die Konkurrenz zu Ethereum. Solana positioniert sich als schnellere und günstigere Alternative. Die durchschnittliche Transaktionsgebühr liegt bei 0,0002 Dollar, verglichen mit 2 bis 5 Dollar bei Ethereum. Für Anwendungen mit hohem Durchsatz, etwa Zahlungssysteme oder Gaming, ist das entscheidend.
Risiken der Konzentration auf Staking-Rendite
Die hohen Zuflüsse in Solana-ETFs bergen Risiken. Ein Großteil der Nachfrage ist auf die Staking-Rendite zurückzuführen. Fällt diese, könnte das Interesse schnell abebben. Solanas Staking-Rewards sinken tendenziell, wenn mehr SOL gestakt wird, weil die Gesamtinflation fest ist und auf mehr Teilnehmer verteilt wird. Aktuell sind etwa 65 Prozent aller SOL im Staking. Bei 80 Prozent würde die individuelle Rendite auf unter 4 Prozent fallen.
Ein weiteres Risiko ist die Validator-Konzentration. Die Top 20 Validatoren kontrollieren über 40 Prozent des gestakten SOL. Sollten mehrere dieser Validatoren gleichzeitig ausfallen oder böswillig handeln, könnte das Netzwerk instabil werden. Die ETF-Emittenten streuen ihre Stakes zwar über mehrere Validatoren, aber die systemische Konzentration bleibt ein Problem.
Europäische Perspektive: Keine Staking-ETFs in Sicht
In der EU sind Staking-ETFs unter den aktuellen UCITS-Richtlinien nicht möglich. Die Richtlinien verlangen, dass Fonds physische oder synthetische Replikation nutzen. Staking fällt in keine dieser Kategorien. Zudem verbietet MiCA explizit, dass Krypto-ETPs Erträge aus dem zugrundeliegenden Asset an Anleger ausschütten, wenn diese Erträge nicht aus Kursbewegungen stammen.
Das bedeutet: Selbst wenn ein europäischer Emittent einen Solana-ETP auflegen wollte, dürfte dieser keine Staking-Rendite zahlen. Die gestakten SOL müssten im Fonds bleiben und den Nettoinventarwert erhöhen, würden aber nicht an Anleger ausgeschüttet. Das macht das Produkt weniger attraktiv als die US-Variante.
Deutsche Anleger, die Staking-Renditen erzielen wollen, müssen SOL direkt kaufen und selbst staken. Das erfordert technisches Verständnis und birgt Custody-Risiken. Die steuerliche Behandlung ist zudem ungeklärt. Die Finanzverwaltung hat sich noch nicht abschließend geäußert, ob Staking-Rewards sofort zu versteuern sind oder erst beim Verkauf.
Ausblick: Bleibt der Trend bestehen?
Ob Solana-ETFs weiterhin Bitcoin-Fonds übertreffen, hängt von mehreren Faktoren ab. Sollte die Fed die Zinsen 2027 wieder senken, könnte das Interesse an Bitcoin als nicht-korreliertem Asset zurückkehren. Solanas Staking-Rendite würde dann relativ an Bedeutung verlieren. Andererseits könnte Solana von weiterer Adoption profitieren, insbesondere wenn große Unternehmen die Blockchain für Zahlungen oder Tokenisierung nutzen.
Für deutsche Investoren bleibt die Situation unbefriedigend. Solange EU-Regulierungen Staking-ETPs verbieten, fehlt ein einfacher Zugang zu diesen Renditen. Die BaFin zeigt keine Anzeichen, von dieser Linie abzuweichen. Das könnte sich ändern, wenn MiCA überarbeitet wird, aber das ist frühestens 2028 zu erwarten.